Konjunkturforum von IHK und SGKB

Zukunft Ostschweiz 2014

Wil soll Standort der ETH Zürich werden

Die wirtschaftliche Dynamik konzentriert sich immer stärker auf die Grossstädte. Die Kehrseite der Medaille sind Staus, überfüllte Züge und fehlender Wohnraum – kurz Dichtestress. Die Zukunft liegt daher nicht in einer weiteren Verdichtung öffentlicher Institutionen in den bereits überlasteten Ballungsgebieten, sondern in starken Regionen. Am Konjunkturforum der IHK St.Gallen-Appenzell und der St.Galler Kantonalbank wurde deshalb vorgeschlagen, die räumliche Weiterentwicklung der ETH Zürich ausserhalb der Limmatstadt umzusetzen und auf dem Areal Wil West einen zusätzlichen Standort der ETH Zürich zu errichten. Der erste Teil der von rund 1000 Personen besuchten Veranstaltung widmete sich den von diversen Unsicherheiten geprägten Konjunkturaussichten.

Die Zuversicht des letzten Jahres in Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung ist vorerst etwas gedämpft. Wie Jan-Egbert Sturm, Leiter der KOF Konjunkturstelle, am Konjunkturforum Zukunft Ostschweiz ausführte, hat sich die Geschäftslage der Schweizer Unternehmen zuletzt merklich abgekühlt. Die Schweiz durchlaufe zurzeit eine Periode mit relativ schwachem, dafür stabilem Wirtschaftswachstum. Mit einer Teuerung von unter 1% in den beiden nächsten Jahren bestehe für die Geldpolitik kein Anlass, restriktiv zu agieren. Die KOF rechnet für das nächste Jahr mit einem Anstieg des Bruttoinlandprodukts von 1.7%.
Der Konjunkturteil der diesjährigen „Zukunft Ostschweiz“-Veranstaltung wurden von den diversen Unsicherheiten geprägt. Auch Jan-Egbert Sturm thematisierte sie: So geht die KOF aufgrund der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative und der vorhandenen Unsicherheit bezüglich deren Umsetzung von negativen Effekten bei den Investitionen der Unternehmen aus. Sturm verwies in diesem Zusammenhang auch auf die anstehende Abstimmung zur Ecopop-Initiative. Sollte diese angenommen werden, würden sich die Unsicherheiten bezüglich zukünftiger Nachfrageentwicklung, den Rekrutierungskosten und des Zugangs zum EU-Binnenmarkt kurzfristig stark erhöhen. Als Folge dürften sich die Investitionen von Unternehmen in der Schweiz deutlich reduzieren.

Lähmende Unsicherheiten
Es wurde bereits im Referat von Jan-Egbert Sturm deutlich: Mitverantwortlich für die weniger freundlichen Konjunkturaussichten sind die diversen Risiken und Unsicherheiten, welche einem nachhaltigen Aufwärtstrend im Wege stehen. In einem Konjunkturtalk beleuchtete Peter Eisenhut, Managing Partner der ecopol ag in St.Gallen, mit seinen Gesprächsgästen Ulrike Landfester (Prorektorin, Universität St.Gallen), Albert Koller (Geschäftsleitungsmitglied, St.Galler Kantonalbank), Daniel Küng (CEO, Switzerland Global Enterprise), Vincenzo Montinaro (CEO, AG Cilander) und Regierungsrat Benedikt Würth (Vorsteher Volkswirtschaftsdepartement des Kantons St.Gallen) verschiedene Aspekte der Unsicherheit. Diskutiert wurden unter über die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik, die weniger voraussehbaren Volksentscheide an der Urne, der Verlust an Weltoffenheit, der Fachkräftemangel oder die für ausländische Investoren weniger attraktiven Rahmenbedingungen in der Schweiz.

Ungleichgewicht in Hochschulfinanzierung
Im zweiten Teil von „Zukunft Ostschweiz“ wurde an der letztjährigen Veranstaltung angeknüpft, bei der unter anderem die Bedeutung der Bildungsinstitutionen für den Arbeitsmarkt thematisiert wurde. IHK-Direktor Kurt Weigelt zeigte in einem Referat auf, wie stark sich der vor rund 160 Jahren gefällte Entscheid, in Zürich eine Eidgenössisch-Technische Hochschule ETH zu installieren, heute auswirkt. Was damals als Entscheid zum politischen Ausgleich zwischen den Regionen gedacht war, führt heute zu einem deutlichen Ungleichgewicht. Dieses lässt sich unter anderem an den Bundesbeiträgen ablesen, welche die Kantone pro Einwohner zur Finanzierung der Hochschulbildung erhalten. Während die ETH-Standortkantone Waadt und Zürich 1300 respektive 1250 Franken pro Einwohner aus Bundesbern erhalten, reduziert sich dieser Betrag im Kanton St.Gallen auf bescheidene 180 Franken.

Starke Regionen statt Zentralisierung
Noch entscheidender ist jedoch, dass die ETHs äusserst wichtige Standortfaktoren darstellen, was sich zum Beispiel an der Anzahl Start-ups widerspiegelt: Der Grossraum Zürich und die Genferseeregion zählen rund zehn Mal so viele Unternehmensgründungen wie die Ostschweiz. Für diese aus Sicht des Grossraums Zürich und der Genferseeregion positiven Tatsachen zahlen wir jedoch gesamtschweizerisch zunehmend einen Preis, der unsere unsere gesellschaftliche Entwicklung in Frage stellt. Die Fokussierung der wirtschaftlichen Dynamik auf die Metropolitanräume führt zu Engpässen in der Infrastruktur, im Wohnangebot und belastet die Umwelt. Das wirtschaftliche Wachstum und die damit verbundene Einwanderung werden als Dichtestress wahrgenommen. Das Kernproblem liege jedoch nicht in der Einwanderung an sich, sondern vielmehr in der Konzentration der wirtschaftlichen Entwicklung auf wenige Ballungsgebiete. „Nicht die Schweiz platzt aus allen Nähten, sondern einzelne Regionen, die in besonderem Masse von ihrer Standortgunst profitieren“, sagt Kurt Weigelt. Die Schweiz brauche deshalb keine weitere Zentralisierung, sondern starke Regionen.

ETH Science City Wil
Die IHK St.Gallen-Appenzell votiert deshalb dafür, die ETH Zürich ausserhalb der Stadt Zürich weiter zu entwickeln, und schlägt konkret die „ETH Science City Wil“ im Entwicklungsgebiet Wil West vor. Es sei sinnvoller, für die Weiterentwicklung der ETH einen Standort zu wählen, der eine langfristige Entwicklung möglich macht und eine Nähe zu entsprechenden Industrie- und Technologieunternehmen aufweist. Schliesslich gehört die Ostschweiz zusammen mit dem Fürstentum Liechtenstein und dem Vorarlberg zu den höchstindustrialisierten Regionen Europas. Gerade für Disziplinen im Bereich von Engineering, industrielle Prozesse oder neuen Materialien wäre ein Ostschweizer ETH-Standort deshalb besonders sinnvoll.
Unter der Leitung von Robert Stadler, stv. IHK-Direktor, wurde die titelgebende Frage „Braucht die Ostschweiz eine ETH?“ diskutiert. Empa-Direktor Gian-Luca Bona, der Ausserrhoder Nationalrat Andrea Caroni und IHK-Direktor Kurt Weigelt nahmen Stellung zur Bedeutung der Universitäten für den Wirtschaftsstandort, die Problematik des Dichtestresses und eine mögliche Dezentralisierung der ETH.


Downloads und Links

Medienmitteilungen
IHK: Wil soll Standort der ETH Zürich werden
KOF/ETH: KOF Herbstprognose 2014: Warten auf den Aufschwung

Präsentationen
Jan-Egbert Sturm: Die Schweizer Wirtschaft in einem harzigen Umfeld
Kurt Weigelt: Starke Regionen statt Dichtestress - ETH Science City Wil

Publikation
IHK-Standpunkt, November 2014: Starke Regionen statt Dichtestress

Sonderbeilage St.Galler Tagblatt
"Innovation. Regionen. Bildung." vom 19. November 2014

Bilder
Visualisierung 1 von ETH Science City Wil
Visualisierung 2 von ETH Science City Wil
Fotostrecke vom Anlass auf flickr (folgt)

Multimedia
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Beitrag IHK-TV

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Das nächste Konjunkturforum Zukunft Ostschweiz findet am Montag, 23. November 2015 statt.


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  • Ein Mitglied zur IHK-GV 2015 in Degersheim: "Besser gehts nicht. Danke dem gesamten IHK-Team für diesen super Event. Ihr seid spitze!"
  • "Spannende Begegnungen, edle und doch lockere Atmosphäre. Und die Gewissheit, willkommen zu sein."
  • "Bravo IHK St.Gallen-Appenzell zur Spital-Standortstudie! Nachdem die St.Galler Politik schon seit Jahren den 'Gagg' in der Hose hat, beweist ihr mit der dringend nötigen Weitsicht 'Födle'."

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