Zukunft Ostschweiz 2011:
Mut zu mehr Markt bei der Hochschulfinanzierung

Am 21. November 2011 sind sich an „Zukunft Ostschweiz“ rund 900 Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik begegnet. Am Konjunkturforum der IHK St.Gallen-Appenzell und der St.Galler Kantonalbank erhielten die Besucherinnen und Besucher von Konjunkturexperten wertvolle Orientierungshilfen in einem von Unsicherheit geprägten Umfeld. Im wirtschaftspolitischen Teil der Veranstaltung forderte IHK-Direktor Dr. Kurt Weigelt mehr Markt bei der Hochschulfinanzierung und stellte dafür das Modell der nachlaufenden Studiengebühr vor.

Vorträge und Publikationen zum Download s. unten

Deutliche Abkühlung der Schweizer Konjunktur

Das bewährte Experten-Duo Prof. Dr. Jan-Egbert Sturm, Leiter der KOF Konjunkturforschungsstelle an der ETH Zürich, und Peter Eisenhut, Managing Partner der Firma Ecopol AG in St.Gallen, lieferte auch an der diesjährigen Veranstaltung persönliche Einschätzungen und wissenschaftliche Fakten zur Konjunkturentwicklung in der Ostschweiz, der Schweiz und auf der Welt. Die KOF-Konjunkturumfragen vom Oktober zeigen, dass sich die Geschäftslage der Firmen in fast allen Wirtschaftszweigen der Schweiz eingetrübt hat. Ansprechend präsentiert sie sich nur noch in der Bauwirtschaft, den übrigen Dienstleistungsunternehmen und den Versicherungen.

In der Industrie schrumpfte die Produktion erstmals seit zwei Jahren. Der bisher hohe Auslastungsgrad der technischen Kapazitäten sank auf den langjährigen Durchschnitt von 84%. Das Gastgewerbe musste sowohl im Bereich Hotels als auch im Bereich Restaurants deutliche Umsatzrückgänge hinnehmen. Aber auch der Detailhandel beklagte ein Umsatzminus. Getragen wird die Konjunktur noch von der Bauwirtschaft und auch von den konsumorientierten und den binnenwirtschaftlich ausgerichteten Dienstleistungsbranchen. Kaum mehr Impulse kommen vom Grosshandel und vom Finanzsektor, wobei hier die Versicherer besser als die Banken dastehen.

Für das Winterhalbjahr 2011/12 ist gemäss KOF von einer weiteren Verlangsamung der Wirtschaftsdynamik auszugehen. Hauptgründe dürften die nachlassende Weltkonjunktur und der anhaltend starke Franken sein. Die Industriefirmen befürchten einen Nachfragerückgang, so dass eine leichte Drosselung der Produktion vorgesehen ist. Ebenfalls eine geringere Nachfrage erwarten das Baugewerbe, das Gastgewerbe und der Grosshandel. Mit einer stagnierenden Nachfrage rechnen der Projektierungssektor und der Detailhandel. In den nächsten Monaten ein Nachfrageplus erwarten noch der Finanzsektor und vor allem die Branchen der persönlichen Dienstleistungen. Weniger positiv sind die Aussichten beim Transportwesen und den wirtschaftlichen Dienstleistungen.

Verdüsterte Aussichten für die Ostschweizer Wirtschaft

Zusammen mit dem starken Franken werden die abnehmende Dynamik in der Weltwirtschaft und insbesondere die Schulden- und Vertrauenskrise zum Bremsklotz für die Ostschweizer Wirtschaft. “Allen voran für die Industrie, aber nicht nur“, meint Peter Eisenhut von der Ecopol AG. Gemäss jüngster Konjunkturumfrage haben sich die Aussichten für die kommenden Monate weiter verdüstert. Seit Mai 2011 ist der Index im Sinkflug, der im Oktober zwischenzeitlich gestoppt werden konnte. Hingegen wird die aktuelle Geschäftslage im Oktober leicht besser als im Vormonat beurteilt. Vor allem der hohen Zufriedenheit der Baumeister ist es zu verdanken, dass der Konjunkturindex nach wie vor ein positives Vorzeichen aufweist. Die seit geraumer Zeit geäusserte Befürchtung der Detailhändler vor einem Rückgang des Jahresumsatzes 2011 im Vergleich zum Vorjahr wird wohl zur Realität. Beim zu erwartenden Rückgang der Detailhandelsumsätze um gut 1% handelt es sich um den stärksten Rückgang seit 15 Jahren. Gründe für diese negative Bilanz sind erstens die eingetrübte Konsumentenstimmung, die dafür sorgt, dass das Geld weniger locker in der Tasche sitzt. Zweitens macht die Stärke des Schweizer Frankens dem Detailhandel durch den massiv angewachsenen Einkaufstourismus zu schaffen und drittens vergrössert das Fernbleiben von ausländischen Gästen die Löcher in den Kassen der Detailhändler.

Lage in der Industrie spitzt sich zu

Die Produktionskapazitäten in der Ostschweizer Industrie sind zwar nach wie vor gut ausgelastet, aber die Ertragslage spitzt sich weiter zu. Viele Unternehmen produzieren mit Verlust, insbesondere Exportfirmen, welche hauptsächlich auf Europa ausgerichtet sind. Im 3. Quartal stellte sich ein Rückgang der Exporte um 1.2% ein. Dass der Rückgang nicht stärker war, ist einem Wachstumsimpuls aus China und Deutschland als wichtigstem Schweizer Kunden zu verdanken. Beinahe ein Drittel der befragte Unternehmen erwartet in den kommenden Monaten einen Rückgang der Exporte und damit zusammenhängend einen Rückgang der Produktion. Die sich abkühlende konjunkturelle Entwicklung und saisonale Faktoren schlagen auch auf den Ostschweizer Arbeitsmarkt durch. Insgesamt beurteilen die Ostschweizer Unternehmen ihre gegenwärtige Angestelltenzahl tendenziell als zu gross und auch ihre Erwartungen zur Entwicklung der Beschäftigung in den nächsten Monaten fallen negativ aus. In der Industrie rechnen 23% der Teilnehmer an der Konjunkturumfrage mit einem Rückgang, während nur 4% von Neueinstellungen ausgehen.

IHK-Modell zur Finanzierung des tertiären Bildungssektors

Einer stark steigenden Zahl an Studentinnen und Studenten an den Schweizer Hochschulen stehen stagnierende öffentliche Ausgaben für die tertiäre Bildung gegenüber. Am Konjunkturforum präsentierte IHK-Direktor Dr. Kurt Weigelt mit der nachlaufenden Studiengebühr (s. Kasten) ein neues Finanzierungsmodell, bei dem diejenigen Bürgerinnen und Bürger einen wesentlichen Anteil an der Finanzierung des tertiären Bildungssystems übernehmen, die selbst von einer Hochschulbildung profitiert haben. Konkret sieht dies so aus, dass die Absolventen einer Hochschule nach dem Abschluss, respektive nach dem Abbruch ihres Studiums eine Abgabe bezahlen, deren Höhe sich nach der Anzahl der absolvierten Semester bemisst. „Mit der Hochschulabgabe erhält die tertiäre Ausbildung einen Preis“, meint Kurt Weigelt. „Ich gehe davon aus, dass dieser Preis die Marktorientierung bei der Wahl eines Studiums verbessern wird. Junge Erwachsene werden sich sehr genau überlegen, welche Bildungsinstitutionen für den verrechneten Preis eine angemessene Leistung anbieten. Studierende werden zu Kunden.“ Der damit verbundene Paradigmenwechsel erhöht gemäss Kurt Weigelt den Qualitätsdruck. Die höheren individuellen Kosten für ein Studium werden zudem die Anreize verbessern, sich bei der Studienwahl stärker am Arbeitsmarkt zu orientieren. Er ist überzeugt, dass die Studierenden die staatlichen Leistungen sehr viel bewusster beanspruchen werden: „Wer nicht ernsthaft an einem Abschluss interessiert ist, wird sich kaum immatrikulieren.“

Im abschliessenden IHK-Dialog diskutierte der IHK-Direktor unter der Leitung von Eva Nietlispach das Modell der Hochschulabgabe mit dem St.Galler Bildungsdirektor Stefan Kölliker sowie den Rektoren der Universität St.Gallen und der Fachhochschule St.Gallen, Prof. Dr. Thomas Bieger und Prof. Dr. Sebastian Wörwag.

Downloads

Fotoimpressionen auf flickr
Präsentation Jan Egbert-Sturm
Konjunkturumfrage KOF
Präsentation Peter Eisenhut
Konjunktur Ostschweiz
Präsentation Kurt Weigelt
IHK-Schriftenreihe "Erst studieren, dann zahlen"
Studie Anreize Schweizer Hochschulsystem

Zukunft Ostschweiz wird ermöglicht durch:

 

        

Firmen-News

Social Media

  • 937 Personen sind Mitglied der
    IHK-Gruppe auf xing
    Neu dabei:
  • Denise Sonderegger, DAS Labor AG
  • Fridolin Hirt, EMTEC Maschinenbau AG
  • Benno Bischof, acrevis Bank AG

    zur IHK-Gruppe auf xing
  • Ein Mitglied zur IHK-GV 2015 in Degersheim: "Besser gehts nicht. Danke dem gesamten IHK-Team für diesen super Event. Ihr seid spitze!"
  • "Spannende Begegnungen, edle und doch lockere Atmosphäre. Und die Gewissheit, willkommen zu sein."
  • gefällt mir - zur Facebook-Seite der IHK