Berufsmeisterschaften

Wo Berufsbildung Spitzensport wird

Die SwissSkills zeigen, wie Berufsbildung zu Spitzenleistungen führt und welche Rolle die Berufsverbände dabei spielen.

25. September 2026, Patrick Louis

Wenn an den SwissSkills junge Berufsleute unter Zeitdruck Werkstücke fertigen, Anlagen programmieren oder technische Probleme lösen, ist der eigentliche Wettbewerb nur die sichtbare Spitze. Dahinter steckt monatelange Vorarbeit. Denn die SwissSkills sind dezentral aufgebaut: Die fachliche Verantwortung liegt wesentlich bei den Berufs- und Branchenverbänden.

Sie wissen, was einen Beruf in der Praxis ausmacht – und übersetzen dieses Wissen in den Wettbewerb. Sie definieren, welche Kompetenzen geprüft werden, entwickeln realitätsnahe Aufgaben und Bewertungskriterien und stellen Experten für die Jury. Sie organisieren Vorselektionen, begleiten die besten Nachwuchskräfte auf dem Weg an die Meisterschaften und sorgen dafür, dass Maschinen, Materialien und Arbeitsbedingungen den Anforderungen des jeweiligen Berufs entsprechen.

Die Stiftung SwissSkills schafft dafür den gemeinsamen Rahmen und koordiniert den Grossanlass. Die Branchenverbände bringen den fachlichen Inhalt ein. Diese Arbeitsteilung entspricht der Logik der Schweizer Berufsbildung, in der die Wirtschaft die Ausbildungsinhalte wesentlich mitprägt. Die Nähe zu den Unternehmen sorgt dafür, dass Ausbildung, Berufsmeisterschaften und Anforderungen des Arbeitsmarkts nicht auseinanderdriften.

Der Dachverband der MEM-Branchen, Swissmem, zeigt, was diese Rolle in der Praxis bedeutet. Für die SwissSkills 2025 organisierte der Verband in enger Zusammenarbeit mit SwissSkills mehrere Meisterschaften der Tech-Industrie. Über 240 junge Berufsleute meldeten sich für die Selektionen an. Olivier Habegger, Leiter Berufsmeisterschaften bei Swissmem, erklärt, warum sich dieser Aufwand lohnt.

Herr Habegger, wer bestimmt, was Spitzenleistung in einem Beruf bedeutet?

Das machen die Berufsorganisationen zusammen mit ihren Expertinnen und Experten. Die Aufgaben sollen anspruchsvoll sein, müssen aber auch zur Realität in den Betrieben passen. Es geht also nicht nur um Fachwissen. Auch Arbeitsmethodik, Zeitmanagement, Selbstständigkeit oder der Umgang mit Druck spielen eine wichtige Rolle.

Wie schaffen es Talente an die SwissSkills?

Am Anfang steht ein relativ breites Feld. Je nach Beruf gibt es regionale und nationale Selektionen. Dort beurteilen Expertenteams die fachlichen Leistungen, aber auch Motivation, Persönlichkeit oder Teamfähigkeit. Auf der nationalen Bühne treten nur die Besten an.

Was bringt dieses Engagement den Ausbildungsbetrieben?

Sie können zeigen, dass sie gute Ausbildungsarbeit leisten und ihre Talente gezielt fördern. Gleichzeitig entsteht ein Austausch mit anderen Ausbildungsbetrieben – man sieht, wo man steht, und kann voneinander lernen. Und natürlich hilft es auch, junge Fachkräfte ans Unternehmen zu binden und die eigenen Ausbildungsberufe attraktiver zu machen.

Aber die SwissSkills legen nicht fest, welche Kompetenzen in der Ausbildung gefragt sind. Dafür haben wir die Bildungspläne aus der Berufsreform Futuremem. An den Meisterschaften sehen wir dann, wie diese Kompetenzen auf sehr hohem Niveau umgesetzt werden.

Und was nehmen die Teilnehmenden selbst mit?

Sehr viel. Sie entwickeln sich fachlich weiter, lernen, mit Druck umzugehen und gewinnen Selbstvertrauen. Gleichzeitig erweitern sie ihren Horizont, knüpfen Kontakte und machen Erfahrungen, die ihnen auch für die weitere Karriere viel bringen können.

Sind die SwissSkills auch ein Instrument gegen den Fachkräftemangel?

Sie lösen ihn nicht allein. Aber sie zeigen Jugendlichen sehr konkret, wie spannend technische Berufe sein können und welche Perspektiven eine Berufslehre bietet. Und genau diese Begeisterung brauchen wir, wenn wir auch morgen genügend Fachkräfte haben wollen.

   

Olivier Habegger, Leiter Marketing und Berufsmeisterschaften, Swissmem Berufsbildung

Weitere Artikel des Facts 3/2026:

SwissSkills: Mehr als eine Meisterschaft

SwissSkills: Mehr als eine Meisterschaft

«Bei den Jungen ein Feuer entfachen»

«Bei den Jungen ein Feuer entfachen»

«Berufsorientierung darf nicht nur über Broschüren und Websites stattfinden»

«Berufsorientierung darf nicht nur über Broschüren und Websites stattfinden»

Berufsbildung beginnt vor dem Lehrstart

Berufsbildung beginnt vor dem Lehrstart