Erschliessung des Archivs des Kaufmännischen Directoriums
Ostschweizerische Handelsgeschichte im Fokus
Wertvolle Forschungsgrundlagen und differenzierte Aufarbeitung in Zusammenarbeit mit Stadtarchiv.

8. Juli 2025
Die IHK St.Gallen-Appenzell feierte 2022 ihr 555-jähriges Bestehen. Das historische Erbe der IHK respektive ihrer Vorgängerorganisationen, dem Kaufmännischen Directorium und der Gesellschaft zum Notenstein, ist seit 2025 im Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen systematisch erschlossen.
Publikation
Unter www.stadtarchiv-obg.findbuch.net lassen sich über 400 Jahre Ostschweizer Handelspolitik recherchieren; eine ideale Grundlage für Wissenschaft und interessiertes Publikum. Akten und Bücher bieten Einblick in die frühneuzeitlichen und neuzeitlichen St.Galler Handelsbeziehungen und umfassen alles, was für den Handel von Bedeutung ist: von der Organisation des Postwesens über Entscheide zu Münz- und Zollsachen bis zu Unterlagen zu Handelsexpeditionen nach Afrika und Asien.
«Die IHK nimmt mit dem gemeinsamen Projekt mit dem Stadtarchiv ihre historische Verpflichtung professionell wahr.»

Handwerk, Handel, Nachfragewandel
«Die IHK nimmt damit ihre historische Verpflichtung professionell wahr», begründet IHK-Direktor Markus Bänziger das gemeinsame Projekt mit dem Stadtarchiv. Zeitgleich zur Erschliessung des Archivs startet die IHK mit einer differenzierten Aufarbeitung der vielfältigen Geschichte von Handel, Industrie und Gewerbe und präsentiert den ersten Band der neuen wirtschaftsgeschichtlichen Forschungsreihe «Beiträge zur St.Galler Wirtschaftsgeschichte». Dr. phil. Nicole Stadelmann, Co-Leiterin von Stadtarchiv und Vadianischer Sammlung der Ortsbürgergemeinde St.Gallen, widmet sich darin den St.Galler Kaufleuten in der Frühen Neuzeit und zeigt auf, dass deren Probleme heute sehr aktuell anmuten: «Ein frühes ‹Freihandelsabkommen› mit Frankreich verschaffte zollfreie Zugänge und rasanten Aufstieg, bis merkantilistische Zollerhöhungen und ein regelrechter Zollkrieg den Handel mit Textilien erschwerten. Gleichzeitig belasteten Kriege und Modewandel die Nachfrage nach der hochpreisigen St.Galler Luxusleinwand.» St.Galler Kaufleute handelten deshalb zunehmend mit fremder, günstigerer Leinwand und stiegen in den Zwischenhandel mit kriegswichtigen Gütern ein. Weil diese Produkte nicht in der Stadt gefertigt wurden, ging der Handel an St.Gallen zunehmend vorbei – mit einschneidenden Konsequenzen für den Produktionsstandort St.Gallen.
Der erste Band der neuen wirtschaftsgeschichtlichen Forschungsreihe wurde im Rahmen des alle zwei Jahre stattfindenden Treffens ehemaliger und aktiver Vorstandsmitglieder am 4. Juli 2025 vorgestellt. Dieser trägt den Titel «Handwerk, Handel, Nachfragewandel: Der Produktionsstandort St.Gallen in der Frühen Neuzeit». Die Publikation kann bei der IHK auch als Printversion bezogen werden.