Wirtschaftsbarometer 2025

Zwei Themen, drei Bühnen

Wirtschaftsbarometer 2025 zu Gast im Fürstenland, im See- und Gastergebiet sowie im Appenzellerland.

12. Dezember 2025, Bruno Eisenhut

Die diesjährigen Wirtschaftsbarometer im Fürstenland, im See- und Gastergebiet sowie im Appenzellerland zeigten eindrucksvoll, wie stark das wirtschaftliche Bewusstsein in der Ostschweiz verankert ist. Ob bei der BÜCHI Labortechnik AG in Flawil, an der OST – Ostschweizer Fachhochschule in Rapperswil oder bei der Blumer Fensterwerke AG in Waldstatt: Überall herrschte dieselbe Energie – der Wille, Entwicklungen zu verstehen, Herausforderungen zu benennen und Chancen mutig zu nutzen.

Im ersten Teil der Veranstaltungsreihe präsentierte Fabio Giger, stv. Leiter Research der IHK, die neusten Konjunkturprognosen für die Ostschweiz. Er zeigte auf, wie globale Unsicherheiten, Zölle und geopolitische Spannungen auch die regionalen Unternehmen treffen – insbesondere jene mit Exportfokus. Gleichzeitig wurde klar: Die Ostschweizer Wirtschaft besitzt eine bemerkenswerte Widerstandskraft. Der Arbeitsmarkt bleibt stabil, die Löhne steigen moderat. Die strukturelle Stärke der Region ist spürbar.

Der zweite Teil widmete sich meinem Thema, das die Zukunft der Wirtschaft prägen wird: künstliche Intelligenz (KI). Urs Sidler vom Swiss Innovation Park Ostschweiz eröffnete diesen Block jeweils mit einer verständlichen und inspirierenden Einführung. Sein Einstieg mit dem Zitat von Richard Baldwin «KI wird dich nicht ersetzen – aber eine Person, die KI nutzt, wird es tun» setzte den Ton: KI ist kein Hype, sondern ein neuer Werkzeugkasten für unternehmerischen Erfolg.

«KI ist kein Projekt, sondern ein kontinuierlicher Lernprozess – Erfolg entsteht durch Fokus, Datenqualität und Zusammenarbeit.»

Wie man diesen Werkzeugkasten praktisch nutzt, zeigte Marc Beck, CEO der Faserplast AG. Offen und authentisch gab er Einblicke in die Einführung von KI im eigenen Unternehmen. Er beschrieb Chancen, Herausforderungen und die Lernkurven, die Faserplast durchlaufen hat. Besonders eindrücklich war sein Kerngedanke: «KI ist kein Projekt, sondern ein kontinuierlicher Lernprozess – Erfolg entsteht durch Fokus, Datenqualität und Zusammenarbeit.» Ein Satz, der hängen bleibt – weil er zeigt, dass KI kein Selbstzweck ist, sondern ein Weg, den Unternehmen schrittweise und gemeinsam gehen müssen.

Beim Wirtschaftsbarometer im Appenzellerland vertiefte Jan Riss, Chefökonom und stellvertretender Direktor der IHK, die ökonomische Perspektive. Unter dem Motto «Zölle, Zweifel, Zuversicht» beleuchtete er, wie globale Entwicklungen die Ostschweiz betreffen – und warum trotz Unsicherheiten Optimismus angebracht ist. Die Region verfügt über starke Unternehmen, hohe Innovationskraft und engagierte Fachkräfte.

Die drei Wirtschaftsbarometer machten deutlich: Wirtschaftliche Einschätzungen und technologische Innovationen sind kein Gegensatz, sondern wichtige Ergänzungen. Der Austausch zwischen Unternehmen, Forschung und Wirtschaft schafft Orientierung – und stärkt die Fähigkeit der Region, Wandel aktiv zu gestalten.

Die Ostschweiz steht vor herausfordernden Zeiten, aber sie begegnet ihnen mit klarem Blick, Innovationsfreude und einer Zuversicht, die tief in ihrer wirtschaftlichen DNA verankert ist.

Dieser Artikel wurde im Rahmen des Facts Nr. 4/2025 veröffentlicht.

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