Aussenhandel

Ostschweizer Handel im Wandel

Unternehmen schauen auf turbulente Jahre zurück – insbesondere jene, die auf internationale Märkte ausgerichtet sind.

12. Dezember 2025, Jan Riss

Frankenschock, Covid Pandemie mit Lieferkettenfriktionen, Energiekrise, Ukraine-Krieg und US-Zölle: Unternehmen schauen auf turbulente Jahre zurück – insbesondere jene, die auf internationale Märkte ausgerichtet sind. Wie reagieren die Betriebe in der Ostschweiz auf die handels- und geopolitischen Verwerfungen? Wie passen sie ihre Wertschöpfungsketten an? Welche Märkte gewinnen an Bedeutung?

Die IHK St.Gallen-Appenzell und die IHK Thurgau haben diese strategischen Fragen in einer gemeinsamen Unternehmensumfrage adressiert. Sieben von zehn international tätigen Unternehmen bestätigen, dass internationale Geschäftsbeziehungen in den vergangenen fünf Jahren schwieriger oder umständlicher geworden sind. Als besonders herausfordernd bewerten die befragten Betriebe die internationalen Spannungen, die derzeit von der US-Handelspolitik ausgehen (siehe Abbildung). Die Wachstums- und Wettbewerbsprobleme in Deutschland sowie das unklare Verhältnis zwischen der Schweiz und der EU werden von jeweils mehr als einem Drittel der Unternehmen zu den Top-3-Herausforderungen gezählt.

Betriebe zeigen sich anpassungsfähig

Angesichts dieser Herausforderungen zeigen die Ostschweizer Unternehmen eine beeindruckende Resilienz. Vier von fünf Betrieben sind überzeugt, über ausreichend Widerstandskraft und Anpassungsfähigkeit zu verfügen, um unvorhergesehene handels- oder geopolitische Ereignisse zu meistern. Diese Anpassungsfähigkeit zeigt sich konkret in der Umgestaltung der eigenen Wertschöpfungsketten. 40 % der befragten Unternehmen haben in den vergangenen fünf Jahren ihre Zulieferer diversifiziert. Je rund ein Drittel erhöhte seine Lagerbestände oder passte Verträge mit Lieferanten und Kunden an.

Absatzmärkte verschieben sich

Auch in Bezug auf die Absatzmärkte zeigen sich Diversifikationsstrategien. Ein Drittel der Befragten erwartet, dass die Schweiz als Absatzmarkt an Bedeutung gewinnt, während nur 3 % einen Bedeutungsverlust sehen (vgl. Abbildung). Demgegenüber dürften die Vereinigten Staaten aufgrund ihrer Zollpolitik an Relevanz als Absatzmarkt verlieren. Für alle weiteren Märkte überwiegen nach Einschätzung der Unternehmen die Wachstumschancen. Allen voran Europa, wo bereits heute über 60 % der Ostschweizer Warenausfuhren hingehen, dürfte gemäss Rückmeldungen an Bedeutung gewinnen. Auch Indien steht im Rampenlicht: Rund 28 % der Befragten erwarten für das eigene Unternehmen eine steigende Relevanz des mit 1,4 Milliarden Personen bevölkerungsstärksten Landes – mutmasslich gestützt durch das neue Freihandelsabkommen.

Allgemein sehen die befragten Unternehmen in Marktzugangsabkommen eine hohe Bedeutung. 86 % von ihnen beurteilen die bilateralen Verträge mit der EU insgesamt als wichtig. Der zollfreie Warenverkehr, der Abbau technischer Handelshemmnisse sowie der Zugang zu Fachkräften werden dabei als die drei bedeutendsten Aspekte der Beziehungen mit der EU genannt. Auch Freihandelsabkommen mit Ländern ausserhalb der EU beurteilt die Mehrheit der Unternehmen als wichtig, wenn auch mit geringerer Zustimmung.

Informationen zur Umfrage

Die vollständigen Ergebnisse der IHK-Unternehmensumfrage zum strategischen Umgang mit Handelsrisiken sind unter dem untenstehenden Link abrufbar. An der Umfrage beteiligten sich zwischen dem 15. und 25. August 2025 insgesamt 209 Unternehmen aus der ganzen Ostschweiz, von denen 182 internationale Geschäftsbeziehungen unterhalten (Lieferanten, Kunden, Zweigniederlassungen/ Tochtergesellschaften, Investoren oder Kooperationen).

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