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«Mini Firma» macht Unternehmertum sichtbar

Marco Latzer, Sarah Wagner und Fabian Pernstich im Dreiergespräch.

6. März 2026, Livio Kaiser

Ostschweizer Unternehmen, ihre Menschen und ihre Geschichten stehen bei «Mini Firma» im Mittelpunkt. Die TVO-Sendung läuft jeweils dienstags und wirft in jeder Folge einen Blick in ein anderes Unternehmen aus unserer Wirtschaftsregion. Im Dreiergespräch erklären TVO-Chefredaktor Marco Latzer, Sarah Wagner, Leiterin Talks & Zweitsendungen bei TVO, und Fabian Pernstich von der IHK, warum das Format Vertrauen schafft, weshalb es beim Publikum so gut ankommt und was es braucht, damit Firmen vor der Kamera authentisch wirken.

Sarah Wagner, wenn du auf das erste Jahr der Sendung zurückblickst, gab es einen Moment oder eine Begegnung mit einem Unternehmen, die dich persönlich besonders berührt oder überrascht hat?

Es fällt mir schwer, ein bestimmtes Highlight herauszupicken. Vielmehr sind es die vielen Begegnungen mit Menschen, die mit grosser Leidenschaft für ihr Unternehmen brennen. Sei es ein Lernender, der durch das Übernehmen von Verantwortung in seiner Rolle völlig aufgeht, oder ein Produktionsleiter, der seit mehr als 20 Jahren im Betrieb arbeitet und sich nichts Besseres vorstellen könnte. Genau diese Menschen machen die Unternehmen und die Storys dahinter so besonders.

«Wir wollen die positive, gestaltende Kraft der Ostschweizer Wirtschaft sichtbar machen.»

Fabian Pernstich, warum engagiert sich die IHK St.Gallen-Appenzell bei «Mini Firma», und welches Ziel verfolgt ihr damit?

Wir wollen die positive, gestaltende Kraft der Ostschweizer Wirtschaft sichtbar machen. Das Format soll Verständnis für Unternehmertum, Wettbewerb und Leistung stärken, indem es authentische Einblicke hinter die Kulissen ermöglicht. Gleichzeitig ist zentral, dass Glaubwürdigkeit und journalistische Unabhängigkeit gewährleistet bleiben und keine werberischen Inhalte entstehen. Je authentischer uns dies gelingt, desto mehr wird sichtbar, dass die Wirtschaft ein elementarer Teil unserer Gesellschaft ist.

Alle Folgen von «Mini Firma» finden Sie unter folgendem Link.

Marco Latzer, welche Rolle kann regionales Fernsehen heute spielen, um Vertrauen zwischen Wirtschaft und Gesellschaft aufzubauen?

Eine sehr grosse! TVO bietet dem Publikum jene Nähe zur eigenen Lebensrealität vor der eigenen Haustür, die ein nationales oder gar internationales Medium niemals abbilden könnte. Gerade in den aktuell eher unsicheren Zeiten mit vielen globalen Bad News gewinnt Regionalfernsehen zusätzlich an Bedeutung. Davon zeugen nicht zuletzt unsere seit Jahren steigenden Publikumszahlen. «Mini Firma» ist dafür ein gutes Beispiel: Wir gehen vor Ort, zeigen auf und ordnen ein. Das schafft Verständnis und Vertrauen.

«Was ich beeindruckend finde, ist, wie viel Ostschweiz in unserem Alltag steckt.»

Sarah, wie hat sich dein eigener Blick auf die Ostschweizer Wirtschaft durch die vielen Unternehmensporträts verändert?

Was ich beeindruckend finde, ist, wie viel Ostschweiz in unserem Alltag steckt. Sei es mit einer VAT Vakuumventile AG, deren Technologie hinter unseren Handy-Displays steckt, mit einer MEGA AG, die mit ihren Türbeschlägen täglich in unserer Hand liegt, oder der Regloplas AG, die dafür sorgt, dass beim Spielen die Legosteine sauber aufeinanderpassen. Diese Einblicke haben meinen Blick auf die Ostschweizer Wirtschaft erweitert und zeigen, wie relevant und innovativ die Unternehmen unserer Region sind.

Fabian, welche Rolle übernimmt die IHK in der Umsetzung, und wie stellt ihr sicher, dass die Inhalte relevant bleiben?

Wir öffnen den Zugang zu Unternehmen und bringen unsere Perspektive als Vertreterin der Ostschweizer Wirtschaft ein. Zudem liefern wir Hintergrundinformationen und achten im gemeinsamen Rahmen darauf, dass die Auswahl von Themen und Unternehmen strategisch und inhaltlich sinnvoll ist. Die journalistische Umsetzung und die redaktionelle Verantwortung liegen bei TVO, damit das Format glaubwürdig bleibt.

«Wir zeigen das Wirtschaftsleben in unserer Region aus nächster Nähe, gewähren Einblicke in die Produktion und – absolut matchentscheidend – wir zeigen die Menschen und ihre Geschichten in ihrer ganzen Breite.»

Marco, die Resonanz des Publikums ist sehr positiv. Worin siehst du den Hauptgrund, dass diese Form der Wirtschaftsberichterstattung so gut ankommt?

Kennzahlen und Bilanzen grosser Unternehmen, Börsenticker und herkömmliche Wirtschaftssendungen richten sich gewöhnlich an Experten und ein Nischenpublikum. «Mini Firma» setzt hier einen Gegentrend und füllt gewissermassen eine Marktlücke. Wir zeigen das Wirtschaftsleben in unserer Region aus nächster Nähe, gewähren Einblicke in die Produktion und – absolut matchentscheidend – wir zeigen die Menschen und ihre Geschichten in ihrer ganzen Breite.

Sarah, du erhältst exklusive Einblicke in den Arbeitsalltag und die Unternehmenskultur der Firmen. Was braucht es aus deiner Sicht, damit sich Geschäftsführende und Mitarbeitende vor der Kamera öffnen?

Viele Menschen verkopfen sich schnell, wenn sie das Wort Kamerainterview hören. Oft entsteht der Drang, die eigene Expertise unter Beweis zu stellen und bloss nichts Falsches zu sagen. Dabei ist es wichtig, natürlich und authentisch zu bleiben. Die Interviewten sind Profis auf ihrem Gebiet und geben ihr Wissen an Zuschauerinnen und Zuschauer weiter, die häufig wenig oder gar nichts von der Materie wissen. Wenn dieser Perspektivenwechsel gelingt, kann ein Auftritt vor der Kamera sogar zu mehr Selbstsicherheit führen.

Sie wollen vor der Kamera auf den Punkt kommen und auch bei kritischen Fragen souverän bleiben? Dann sichern Sie sich jetzt Ihren Platz im IHK-Seminar «Sicher und souverän auftreten» mit praxisnahem Kamera- und Radiotraining.

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