Governance
Im Einsatz für die Ostschweizer Wirtschaft
Management Summary

8. Mai 2026
Die IHK St.Gallen-Appenzell setzt sich im Namen ihrer über 1’700 Mitglieder für unternehmensfreundliche, zukunftsgerichtete Rahmenbedingungen und Wettbewerb in der Ostschweiz ein. Unser Leitbild ist klar: Die Kernregion Ostschweiz ist der bevorzugte Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftsraum, heute und künftig. Als Bindeglied zwischen Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Verwaltung steht die langfristige Entwicklung der Region im Zentrum. Unsere Diskussionsbeiträge, Impulse und wirtschaftspolitischen Forderungen fussen auf eigener ökonomischer und wirtschaftspolitischer Grundlagenarbeit. Gleichzeitig spiegeln sie die Haltung des im Vorstand vertretenen Querschnitts aus Branchen und Regionen wider.
Aussenhandel im Fokus
Über Jahrzehnte führte der weltweite Abbau von Handelshemmnissen zu wachsenden Märkten, höherer Produktivität und einer grösseren Produktevielfalt bei tieferen Preisen. Die Nachkriegszeit brachte weltweit beispiellose Wohlstandsgewinne. Die Schweiz profitierte in besonderem Masse.
Die Corona-Pandemie, Kriege in und am Rande Europas sowie zunehmende geopolitische Spannungen haben global verflochtene Handelsströme in strategische Abhängigkeiten verwandelt. Der Druck auf offene Märkte wächst. Für die Ostschweizer Wirtschaft mit ihrer breit diversifizierten Exportbasis ist diese Entwicklung besonders herausfordernd. Im Berichtsjahr rückte damit der Aussenhandel in den Fokus.
Mit dem Konjunkturforum Zukunft Ostschweiz 2025 griff die IHK die veränderten Rahmenbedingungen im internationalen Handel auf. Im Zentrum standen die Folgen der US-Zollpolitik, die Schwäche wichtiger Absatzmärkte und die zunehmende Unsicherheit im globalen Handelssystem. Deutlich wurde: Gerade für eine kleine, offene Volkswirtschaft wie die Schweiz bleiben verlässliche Regeln, offene Märkte und geregelte Beziehungen zentral. Mit der Publikation «Zölle, Zweifel, Zuversicht» vertiefte die IHK diese Einordnung und leistete damit einen Beitrag zur wirtschaftspolitischen Debatte über die Zukunft des Aussenhandels.
Den bilateralen Weg in die Zukunft führen
Eng mit diesen Entwicklungen verbunden ist die Frage nach der künftigen Ausgestaltung der Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU, der mit Abstand wichtigsten wirtschaftlichen Partnerin. Rund 60 Prozent der Gesamtexporte setzen Ostschweizer Unternehmen in der EU ab. Wertschöpfung, Forschung und Arbeitsmarkt sind eng mit Europa verflochten. Vor diesem Hintergrund bildete das neue Vertragspaket Schweiz–EU einen weiteren inhaltlichen Schwerpunkt des vergangenen Jahres. In zwei Workshops mit externen Fachexperten prüfte der Vorstand gemeinsam mit den Vorständen der Zürcher Handelskammer und der Industrie- und Handelskammer Thurgau das Vertragspaket eingehend. Das Fazit ist klar: Die Stabilisierung und Weiterentwicklung des bilateralen Wegs bleibt die beste Handlungsoption für die Schweiz. Deshalb unterstützt die IHK die Bilateralen III.
«Die bilateralen Verträge bauen technische Hürden ab, erleichtern den Handel, sichern die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, ermöglichen die Zusammenarbeit in Forschung und Bildung und erleichtern die Rekrutierung von Fachkräften.»
Die bilateralen Verträge sichern der Schweiz seit 25 Jahren sektoriell den Zugang zum europäischen Binnenmarkt. Sie bauen technische Hürden ab, erleichtern den Handel, sichern die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, ermöglichen die Zusammenarbeit in Forschung und Bildung und erleichtern die Rekrutierung von Fachkräften. Das neue Vertragspaket stabilisiert diesen Zugang, verhindert eine Erosion bestehender Abkommen und entwickelt die Zusammenarbeit in zentralen Bereichen gezielt weiter. Wirtschaftlicher Erfolg setzt Marktzugänge voraus, Marktzugänge bedingen Handelsverträge. Verträge sind stets auch mit Verpflichtungen verbunden, beidseits. Aus Sicht der IHK überwiegen die Vorteile jedoch klar. Entscheidend bleibt, dass die Schweiz ihren Handlungsspielraum bei der innerstaatlichen Umsetzung konsequent nutzt und zusätzlichen bürokratischen Aufwand vermeidet. Diese Position brachte die IHK an einer Medienkonferenz ein und vertiefte sie in der Publikation «Den bilateralen Weg in die Zukunft führen».
Wirtschaftspolitisches Engagement an der Urne
In der Innenpolitik zeigte sich im Berichtsjahr die wachsende Bedeutung eines breiten wirtschaftspolitischen Engagements. Anliegen der Wirtschaft finden an der Urne nicht mehr selbstverständlich Mehrheiten. Umso wichtiger ist eine klare Positionierung zu den relevanten Fragen: Die IHK brachte sich mit gezielten Kampagnen in die Abstimmungen ein und verlieh den Anliegen der Wirtschaft Gewicht – oft gemeinsam mit Partnern, insbesondere den regionalen Arbeitgeberverbänden.
Im Fokus standen das Nein zur Juso-Initiative, das Ja zur E-ID sowie das Ja zum Reinraum Buchs. Die Juso-Initiative hätte zahlreiche Familienunternehmen substanziell belastet und den Werkplatz geschwächt. Die IHK engagierte sich dagegen gemeinsam mit der IHK Thurgau und regionalen Unternehmen. Für die E-ID setzten wir uns ein, weil sie Prozesse vereinfacht, Verwaltung und Unternehmen entlastet und die digitale Wettbewerbsfähigkeit stärkt. Beim Reinraum Buchs stand die industrielle Wertschöpfung im Zentrum: Die Infrastruktur stärkt Forschung, zieht Talente an und schafft konkrete Vorteile für den Standort.
Gemeinsamer Einsatz für die Ostschweizer Mobilität
Neben aussenwirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Fragen blieb auch die Erreichbarkeit der Ostschweiz ein zentrales Standortthema. Die Region ist bei den Investitionen in die Nationalstrassen seit Jahren klar benachteiligt: Seit 1990 flossen lediglich 3,6 Prozent der Mittel in die Ostschweiz. Nach dem Nein zur Nationalstrassen-Vorlage auf Bundesebene im November 2024 war deshalb rasches gemeinsames Handeln gefragt. Vertreter der bürgerlichen Parteien und der Wirtschaftsverbände aus den Ostschweizer Kantonen Schaffhausen, Thurgau, St.Gallen sowie beiden Appenzell schlossen sich zusammen, um den Druck auf Bundesebene zu erhöhen.
Gefordert werden die Wiederaufnahme der dritten Röhre des Rosenbergtunnels in St.Gallen und der zweiten Röhre des Fäsenstaubtunnels in Schaffhausen im nächsten Ausbauschritt sowie eine höhere Priorisierung des Zubringers Appenzellerland und der Bodensee-Thurtalstrasse. Die entsprechenden Standesinitiativen wurden inzwischen in allen Ostschweizer Kantonen eingereicht. Damit setzt die Region ein starkes Zeichen der Geschlossenheit für eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur und eine bessere Anbindung des Wirtschaftsraums Ostschweiz.
Academy: Praxisnahe Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte
Wissen, Kompetenzen und Anpassungsfähigkeit entscheiden zunehmend über den Erfolg von Unternehmen und Organisationen. Genau hier setzt die Academy der IHK St.Gallen-Appenzell an. 2025 bot sie ein praxisnahes Weiterbildungsangebot, das erstmals über das ganze Jahr hinweg über die etablierten Aussenhandels- und Exportseminare hinausging: Neu standen auch Themen wie Führung, Kommunikation, Digitalisierung und Arbeitsrecht im Fokus.
«Die Teilnehmenden profitierten von konkreten Werkzeugen, alltagstauglichen Tipps und Antworten auf individuelle Fragen – Wissen, das unmittelbar Wirkung entfaltet.»
Kompakte Formate, erfahrene Referierende und der direkte Austausch machten die Seminare besonders wertvoll. Die Teilnehmenden profitierten von konkreten Werkzeugen, alltagstauglichen Tipps und Antworten auf individuelle Fragen – Wissen, das unmittelbar Wirkung entfaltet. Die positiven Rückmeldungen zeigen: Wer dabei war, nahm wertvolle Impulse für den Berufsalltag mit und stärkte zugleich sein Netzwerk. Für alle anderen bleibt die Academy eine Chance, die man künftig im Blick behalten sollte.
«Mini Firma» gewährt Einblicke ins Ostschweizer Unternehmertum
Wesentlich geprägt hat das abgelaufene Geschäftsjahr auch die Lancierung eines neuen öffentlichkeitswirksamen Projekts: Im April 2025 startete die IHK St.Gallen-Appenzell gemeinsam mit TVO das Format «Mini Firma», das die positive, gestaltende Kraft der Ostschweizer Wirtschaft ins Rampenlicht rückt. Jeden Dienstag gewährt die Sendung authentische Einblicke in ein Unternehmen aus der Region und zeigt dabei nicht nur Produkte und Prozesse, sondern vor allem die Menschen und ihre Geschichten dahinter. Im Jahr 2025 wurden bereits 30 Firmen porträtiert, von Industriebetrieben bis hin zu Traditionshäusern. Das Format stärkt das Verständnis für Unternehmertum, Wettbewerb und Leistung und schafft Vertrauen zwischen Wirtschaft und Gesellschaft.