Künstliche Intelligenz
Künstliche Intelligenz ist strategische Führungsaufgabe
Urs Sidler im Interview.

26. September 2025, Kathrin Loppacher
Urs Sidler, Leiter Digitale Dienstleistungen beim Switzerland Innovation Park Ost, kennt die Realität vieler Unternehmen. Er ist überzeugt: Digitalisierung scheitert selten an der Technologie, sondern viel häufiger an unklaren Zielen, fehlender Struktur oder einem unterschiedlichen Verständnis innerhalb der Organisation. Im Interview erklärt er, warum künstliche Intelligenz eine Führungsaufgabe ist – und wie den Mitarbeitenden diesbezügliche Ängste genommen werden können.
Urs, du begleitest Unternehmen bei Digitalisierungs- und Integrationsprojekten mit generativer KI. Wie KI-affin ist die Ostschweiz bereits?
Urs Sidler: Die Stimmung ist gemischt. Einerseits hört man oft: «Das Thema ist durch – wir haben alles schon gehört.» Andererseits wird schnell klar, dass viele noch unsicher sind, wie sie konkret von KI profitieren könnten. Die Vorstellungen über Nutzen und Möglichkeiten gehen stark auseinander. Viele trauen sich zudem kaum noch, offen zuzugeben, dass sie den Einsatz von KI nicht wirklich verstanden haben.
Kannst du nachvollziehen, wenn jemand bei KI primär die Risiken und Gefahren sieht?
«Viele KMU in der Ostschweiz sind digital noch auf dem Stand der 00er-Jahre.»
Urs Sidler
Leiter Digitale Dienstleistungen, SIPO
Als die Eisenbahn eingeführt wurde, sagten viele, dass der Mensch nicht dafür gemacht sei, mit solcher Geschwindigkeit zu reisen. Heute ist klar: Die Eisenbahn hat vieles verändert – aber nicht den Menschen. So ist es mit jeder grossen technologischen Neuerung. Aus Nutzerperspektive gilt: KI ist letztlich «nur» Software – ein weiteres, wenn auch besonders mächtiges Werkzeug im Werkzeugkasten der Digitalisierung.
Wie schätzt du den Nutzen persönlich ein?
Wie können Vorgesetzte vorgehen, wenn Mitarbeitende überfordert sind?
Wo stehen denn Ostschweizer Unternehmen punkto Digitalisierung?
In einer idealen Organisation übernehmen Systeme alle nichtwertschöpfenden Aufgaben. So bleibt den Menschen Zeit fürs Wesentliche – sei es an der CNC-Maschine, im Kundendienst oder in der Produktentwicklung. Doch viele KMU in der Ostschweiz sind digital noch auf dem Stand der 00er-Jahre. Es gibt zwar Tools – E-Mail, Excel, ERP, Buchhaltung –, aber kaum durchgängige Abläufe. Systeme dienen oft nicht dem Menschen, sondern umgekehrt.
«Überall, wo Informationen mehrfach manuell verarbeitet werden, lohnt sich ein Blick auf mögliche Automatisierungen.»
Urs Sidler
Wie oder wo können Teams mit der Einbindung von KI starten?
Sobald ich etwas zweimal mache, frage ich mich: Geht das nicht einfacher …? Darum ist ein guter Einstieg mit generativen KI-Tools die Automatisierung repetitiver Datenverarbeitung.
Ob Spediteur, Lohnfertiger oder Medtech-Zulieferer; sei es in der Auftragsabwicklung, der Kundenkommunikation oder im technischen Support: Überall, wo Informationen mehrfach manuell verarbeitet werden, lohnt sich ein Blick auf mögliche Automatisierungen: etwa Mails interpretieren und in ein System übertragen oder Daten zwischen Systemen abgleichen.
Bei der IHK St.Gallen-Appenzell bietest du das Seminar «Künstliche Intelligenz im KMU-Führungsalltag strategisch angehen» an. Wer ist die Zielgruppe und was können die Teilnehmenden erwarten?
Das Seminar richtet sich an KMU-Entscheidungsträger/-innen, die spüren, dass in ihren Unternehmen Potenzial schlummert, aber noch nicht wissen, wie sie es mit KI erschliessen könnten. Im Tagesseminar zeige ich konkrete Möglichkeiten, viele Praxisbeispiele und wir nehmen uns Zeit für individuelle Fragen.
Zum Seminar «Künstliche Intelligenz im KMU-Führungsalltag strategisch angehen» vom 28. November 2025:




