Governance

Konjunktur im Schatten der US-Zölle

Research – Konjunktur

Die Ostschweizer Wirtschaft entwickelte sich 2025 uneinheitlich. Die Exportindustrie blieb durch schwache Auslandnachfrage, US-Zölle und Frankenstärke belastet. Baugewerbe, Detailhandel und Gastgewerbe stützten die regionale Konjunktur und verhinderten eine breitere Abschwächung.

Industrie: Aussenwirtschaftliche Belastungen dominieren

Die Ostschweizer Industrie startete mit tiefer Auftragslage und unterdurchschnittlicher Auslastung ins Jahr. Besonders die Nachfrage aus Deutschland blieb schwach; der wichtigste Absatzmarkt der regionalen Exportwirtschaft war weiterhin durch rückläufige Industrieproduktion, tiefe Privatinvestitionen und strukturelle Wettbewerbsprobleme geprägt. Im Frühling verbesserten sich einzelne Frühindikatoren für die Ostschweizer Industrie zwar leicht, doch die US-Zollpolitik sorgte ab April für hohe Unsicherheit und belastete die Geschäftserwartungen. Die Ostschweiz war davon überdurchschnittlich betroffen, weil über die Hälfte der Ausfuhren in die USA aus der Tech-Industrie stammt. Anders als bei pharmazeutischen Produkten galten hier kaum Zollausnahmen. Hinzu kommt der hohe Anteil an Investitionsgütern: Bei erhöhter Unsicherheit werden Beschaffungen verschoben oder neu verhandelt. Die Belastung wirkte deshalb auch über den US-Markt hinaus. Die Ostschweizer Warenexporte sanken gegenüber 2024 insgesamt um 2 Prozent, jene in die USA gar um 8,3 Prozent, während die gesamtschweizerischen Warenexporte getrieben durch den Pharmasektor deutlich zulegten.

Binnenwirtschaft: Stabilisierung durch Konsum und Bau

Die binnenorientierten Branchen entwickelten sich robuster. Der Detailhandel profitierte von tiefer Teuerung, steigenden Reallöhnen und einer zunächst stabilen Einschätzung der Arbeitsplatzsicherheit. Im Jahresverlauf liess die Konsumdynamik nach, blieb aber stützend. Auch das Gastgewerbe beurteilte die Lage besser als im Vorjahr. Besonders solide entwickelte sich das Baugewerbe. Tiefe Zinsen, anhaltend hohe Wohnraumnachfrage und eine steigende Bautätigkeit sorgten für eine hohe Auftragsreichweite. Weniger Aufträge kamen aus dem Industrie- und Gewerbebau, zudem bleibt die Margensituation herausfordernd.

Arbeitsmarkt: Abkühlung bei tragfähiger Lage

Die schwache Industrienachfrage wirkte zunehmend auf den Arbeitsmarkt. Unternehmen meldeten häufiger personelle Überkapazitäten, setzten vermehrt Kurzarbeit ein und nahmen punktuell Stellenreduktionen vor. Die Arbeitslosenquote stieg seit dem Tiefstand von 1,4 Prozent im Sommer 2023 auf 2,3 Prozent bis Ende 2025. Der Anstieg zeigt eine konjunkturelle Abkühlung, bleibt aber moderat: Die Quote verblieb im langjährigen Durchschnitt, und Stellensuchende fanden meist rasch wieder eine Beschäftigung.

Die Jahresbilanz fällt damit differenziert aus. Die Ostschweizer Wirtschaft entwickelte sich insgesamt stabil, aber je nach Branche sehr unterschiedlich. Die aussenwirtschaftlichen Belastungen verhinderten eine breit abgestützte Erholung.

IHK-Research: volkswirtschaftliches Kompetenzzentrum der IHK

IHK-Research ist die zentrale Anlaufstelle für regionalökonomische Fragestellungen in der Ostschweiz. Quartalsweise Konjunkturanalysen mit dem Konjunkturboard Ostschweiz vermitteln das aktuelle Stimmungsbild der Ostschweizer Wirtschaft. Themenspezifische Unternehmensumfragen und Analysen dienen als Grundlage für Handlungsempfehlungen und politische Weichenstellungen. Als Dienstleisterin erstellt IHK-Research überdies Analysen für Dritte.

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