Konjunkturanalysen
Trotz starkem Gegenwind vereinzelt positive Signale
Branchenbericht Industrie Q3 2026
12. August 2026
Die Ostschweizer Industrieunternehmen beurteilen ihre Geschäftslage derzeit etwas günstiger als in den Vorquartalen. Auch die Erwartungen haben sich im Juli aufgehellt: Mittlerweile rechnet jedes vierte Unternehmen mit einer Verbesserung der Geschäftslage im kommenden Halbjahr. Der Schweizer Industrie-Einkaufsmanagerindex liegt seit März über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten und erreichte im Juli 53,2 Punkte. Diese vorsichtig optimistischen Signale folgen allerdings auf eine ausgeprägte, seit rund drei Jahren anhaltende Schwächephase.
Die Rahmenbedingungen bleiben dennoch anspruchsvoll. Der Iran-Krieg erhöht den Preis- und Kostendruck, beeinträchtigt die Lieferketten und hält die Unsicherheit hoch. Gleichzeitig bleibt die handelspolitische Unsicherheit ausgeprägt. Von wichtigen Absatzmärkten, insbesondere von den europäischen Handelspartnern, sind vorerst kaum kräftige Wachstumsimpulse zu erwarten. Die weitere Entwicklung hängt wesentlich vom Verlauf des Iran-Kriegs, der internationalen Handelspolitik und der Weltkonjunktur ab. Bei einer raschen Deeskalation könnten der Kosten- und Lieferkettendruck nachlassen und neue Nachfrageimpulse entstehen. Bei einer Eskalation oder anhaltenden Störungen würden sich die Nachfrageschwäche und der Druck auf die Wettbewerbsfähigkeit dagegen verstärken. Die Abwärtsrisiken bleiben erheblich.
In den Unternehmensumfragen zeigt sich der Iran-Krieg weiterhin vor allem in höheren Preiserwartungen. Nachdem die Erwartungen steigender Einkaufs- und Verkaufspreise bereits im März und April deutlich zugenommen hatten, stieg im Juli auch der Anteil der Unternehmen, die von tatsächlich angehobenen Verkaufspreisen berichteten. Rund jedes fünfte Industrieunternehmen meldete höhere Verkaufspreise – der höchste Anteil seit drei Jahren. Die Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung der Geschäftslage bleibt erhöht, ist aber leicht zurückgegangen. Viele Umfrageantworten dürften aber auch vor dem erneuten Nahostspannungen in der zweiten Julihälfte eingegangen sein.
Die US-Zollbelastung und die handelspolitische Unsicherheit bleiben erhöht. Für die erfassten Waren aus der Schweiz werden der reguläre MFN-Zoll und der neue Section-301-Zoll grundsätzlich auf insgesamt 12,5 Prozent ergänzt. Für vergleichbare Waren aus der EU gilt eine Grenze von 10 Prozent. Dadurch entsteht für Schweizer Exporteure ein zusätzlicher Preisnachteil von bis zu 2,5 Prozentpunkten (weitere Informationen zu US-Zöllen).
Entlastend wirkt hingegen die Wechselkursentwicklung. Trotz der hohen internationalen Unsicherheit hat sich der Schweizer Franken seit Beginn des Irankriegs leicht abgeschwächt. Im Juli berichtete nur noch rund jedes siebte Industrieunternehmen der Region von einer Verschlechterung seiner Wettbewerbsposition im internationalen Geschäft. Damit hat sich der Anteil gegenüber April ungefähr halbiert.
Die Auslastung der industriellen Produktionskapazitäten in der Kernregion Ostschweiz bleibt tief. Mit knapp 81 Prozent liegt sie jedoch rund zwei Prozentpunkte über ihrem Tiefpunkt Anfang 2025. Etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen nennt eine ungenügende Nachfrage als wichtigstes Produktionshemmnis. Gegenüber dem Vorquartal wie auch dem Vorjahresquartal ist dieser Anteil allerdings leicht gesunken.
Vier von zehn Industrieunternehmen in der Region beurteilen ihren Auftragsbestand als zu klein. Innerhalb der MEM-Industrie ist dieser Anteil in der Metallbranche mit sechs von zehn Unternehmen am höchsten. Es folgen die ICT-, Elektronik- und Optikbranche mit vier von zehn sowie die Maschinen- und Fahrzeugbranche mit drei von zehn Unternehmen. Rund jedes dritte Unternehmen beurteilt auch den Bestand an Auslandsaufträgen als zu klein. Im Juni hatte dieser Anteil noch deutlich höher gelegen.
Auch bei Ertragslage, Bestellungseingang und Produktion zeigen sich erste Verbesserungen. Der Anteil der Unternehmen mit einer verbesserten Ertragslage war erstmals seit Ende 2021 wieder höher als jener mit einer Verschlechterung. Allerdings meldeten sieben von zehn Unternehmen weiterhin eine unveränderte Ertragslage.
Gleichzeitig berichteten vier von zehn Industrieunternehmen von zunehmenden Bestellungen. Mehr als jedes dritte Unternehmen steigerte zudem seine Produktion in den vergangenen drei Monaten – der höchste Wert seit 2022. Dies sind erste Anzeichen einer Stabilisierung, aber noch kein breit abgestützter Aufschwung.
Die Vorlaufindikatoren bewegten sich in den vergangenen drei Monaten weitgehend seitwärts. Der Anteil der Unternehmen, die mit zunehmenden Exportaufträgen rechnen, stieg gegenüber April um drei Prozentpunkte auf 22 Prozent. Gleichzeitig erwartet mehr als jedes fünfte Unternehmen einen rückläufigen Bestellungseingang. Dieser Anteil erhöhte sich seit April um sieben Prozentpunkte. Zwar überwiegen bei keinem der betrachteten Indikatoren die negativen Nennungen. Insgesamt sprechen die Ergebnisse aber eher für eine erwartete Stabilisierung auf tiefem Niveau als für eine kräftige Erholung.