Berufsbildung

Drei Wege in die Zukunft

Welche Herausforderungen prägen die Berufsbildung in der Praxis?

6. März 2026, Fabian Pernstich

80 Bewerbungen auf eine Lehrstelle und gleichzeitig fehlen Lernende auf dem Bau. Warum? Drei Ostschweizer CEOs zeigen, wie Lehrstellenmarketing, Benefits und das Götti-Prinzip den Nachwuchs sichern und wie KI den Alltag bereits in der Lehre verändert. Welche Herausforderungen prägen die Berufsbildung in der Praxis?

Bianca Straub, Trimarca AG

Welche Rolle spielt die Ausbildung von Lernenden in Ihrer Personalplanung und gibt es etwas, das Sie daran in den letzten Jahren bewusst geändert haben?

Unser Unternehmen bildete viele Jahre keine Lernenden aus. Als Agentur mit Schwerpunkt Strategie & Design gibt es wenig einfache Umsetzungsarbeiten für einen angehenden Grafiker. Ich sehe es aber als unsere Verantwortung, jungen Menschen einen soliden und guten Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen. Ganz besonders in unserer Branche! Unser Lernender ist heute im zweiten Lehrjahr und wir sind stolz auf ihn.

«Wir bekamen auf unsere Ausschreibung rund 80 Bewerbungen.»

Was ist heute am schwierigsten, wenn es darum geht, passende Lernende zu finden, und wie gehen Sie bei der Ansprache, Auswahl und beim Einstieg konkret vor?

Oh – bei uns ist das überhaupt nicht schwierig. Wir bekamen auf unsere Ausschreibung rund 80 Bewerbungen. In der Kommunikationsbranche hat es viel zu wenig Lehrstellen. Junge kreative Menschen können deshalb oft nicht Fuss fassen und müssen wohl oder übel eine andere Richtung einschlagen. Das ist sehr schade.

Wie verändern Digitalisierung und KI die Anforderungen in Ihren Berufen, und was passen Sie in der Ausbildung deshalb an?

KI verändert fast jeden Bereich in unserer Branche. Wir integrieren laufend Tools, bilden uns weiter. Das weiss auch unser Lernender und integriert KI viel selbstverständlicher in seinen Alltag, als wir «Alten» das tun.

Peter Breitenmoser, SCHMOLZ + BICKENBACH Stahlcenter AG

Welche Rolle spielt die Ausbildung von Lernenden in Ihrer Personalplanung und gibt es etwas, das Sie daran in den letzten Jahren bewusst geändert haben?

SCHMOBI bildet seit vielen Jahren erfolgreich Kaufleute und Logistiker aus – und ab August 2026 erstmals auch Mechanikpraktiker. Die Ausbildung von Lernenden spielt in unserer Personalplanung eine wichtige Rolle. Wir wollen talentierte Jugendliche fördern und zu gut ausgebildeten Nachwuchskräften entwickeln. Dafür haben wir in den letzten Jahren die aktive Vermarktung als attraktiver Ausbildungsbetrieb verstärkt. Um die Attraktivität der Logistikausbildung weiter zu erhöhen, haben wir mit Camion Transport Wil einen Lernenden-Austausch initiiert. Unsere Lernenden erhalten dadurch Einblicke in verschiedene Lager- und Transportsysteme sowie in andere digitale Logistikprozesse. Dieser Austausch erweitert ihr Praxiswissen, fördert die Selbstständigkeit und im Idealfall bringen sie wertvolle Inputs ins Unternehmen zurück.

Was ist heute am schwierigsten, wenn es darum geht, passende Lernende zu finden, und wie gehen Sie bei der Ansprache, Auswahl und beim Einstieg konkret vor?

Der Wettbewerb um Lernende ist gross. Mit unserer Präsenz am Lehrstellenforum Wil sprechen wir Jugendliche direkt an und zeigen potenziellen Lernenden, warum SCHMOBI ein attraktiver Ausbildungsbetrieb ist. Gleichzeitig vermarkten wir unsere Arbeitgebervorteile und Goodies aktiv – sowohl im persönlichen Gespräch als auch online und in den sozialen Medien. Auch auf Yousty, dem grössten Berufsbildungsportal der Schweiz und bei Jugendlichen bestens bekannt, sind wir selbstverständlich präsent.

«In der Ausbildung vermitteln wir den Lernenden den kompetenten und sicheren Umgang mit KI-Tools.»

Wie verändern Digitalisierung und KI die Anforderungen in Ihren Berufen, und was passen Sie in der Ausbildung deshalb an?

Wir haben uns «Digital Leader» in der Stahlhandelsbranche auf die Fahne geschrieben. Digitale Arbeitsprozesse, der Einsatz von künstlicher Intelligenz und zeitgemässe Technologien sind fester Bestandteil unseres Arbeitsalltags. Dazu gehören unter anderem unsere E-Commerce-Plattform Stahlportal, unsere KI-Lösung zum automatisierten Auslesen von Kundenbestellungen, leistungsfähige Maschinen mit Robotertechnik im Betrieb sowie unsere SCHMOBI-Team-App für die interne Kommunikation. In der Ausbildung vermitteln wir den Lernenden den kompetenten und sicheren Umgang mit diesen Tools. Wichtig bleibt dabei: Die Technik soll unterstützen, nicht ersetzen.

Alejandro Cerdán, Bruderer Bau AG

Welche Rolle spielt die Ausbildung von Lernenden in Ihrer Personalplanung und gibt es etwas, das Sie daran in den letzten Jahren bewusst geändert haben?

Die Ausbildung von Lernenden hat für uns einen sehr hohen Stellenwert, da wir unseren Nachwuchs gezielt in die langfristige Kaderplanung einbeziehen. In den letzten Jahren haben wir neue Wege in der Rekrutierung eingeschlagen und unsere Begleitung während der Lehre professionalisiert. Zudem bieten wir zusätzliche Benefits für Lernende an.

«Heute ist es anspruchsvoll, motivierte Lernende zu finden, die körperliche Arbeit und Witterung nicht scheuen.»

Was ist heute am schwierigsten, wenn es darum geht, passende Lernende zu finden, und wie gehen Sie bei der Ansprache, Auswahl und beim Einstieg konkret vor?

Heute ist es anspruchsvoll, motivierte Lernende zu finden, die körperliche Arbeit und Witterung nicht scheuen. Wir setzen auf Schnupperwochen, um Motivation, Teamfähigkeit und handwerkliches Geschick zu prüfen. Für schulisch stärkere bieten wir Maurer EFZ, für praktisch begabte EBA an. Der Einstieg erfolgt über ein Götti-Prinzip mit klarem Einführungsplan.

Wie verändern Digitalisierung und KI die Anforderungen in Ihren Berufen, und was passen Sie in der Ausbildung deshalb an?

Die Digitalisierung und KI verändern unsere Arbeitsweise auf der Baustelle wie auch im Büro spürbar. Prozesse werden effizienter, Dokumentationen digitaler und Abläufe transparenter. Darauf reagieren auch die Berufsschulen mit angepassten Lehrplänen und Weiterbildungen. Wir fördern digitale Kompetenzen gezielt und integrieren moderne Tools früh in die praktische Ausbildung.

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