Konjunkturanalysen
Die US-Zölle sinken, die Unsicherheit bleibt
Auswirkungen auf Ostschweizer Wirtschaft
18. Mai 2026
Die Handelspolitik der USA bleibt für die Ostschweizer Exportwirtschaft ein zentraler Unsicherheitsfaktor. Nach den Zoll-Höchstständen der zweiten Jahreshälfte 2025 beobachten wir nun eine deutliche Entlastung. Für Unternehmen bleibt aber entscheidend, ob neben tieferen Zöllen auch wieder verlässlichere Planungsgrundlagen entstehen.
Deutliche Entlastung bei wichtigen Warengruppen
Die effektiven US-Zölle auf Schweizer Waren sind in den letzten Monaten deutlich gesunken. Bei Maschinen lag der durchschnittliche Satz im vierten Quartal 2025 noch bei rund 31%, im März 2026 bei 12%. Bei Datenverarbeitung, Elektronik, Optik und elektrischen Ausrüstungen sank er von 21% auf 10%, bei Metallerzeugnissen von 31% auf 17%. Chemische und pharmazeutische Erzeugnisse bleiben mit rund 1% weiterhin weitgehend ausgenommen.
Neue Zollarchitektur, keine vollständige Normalisierung
Nach der Absichtserklärung vom November wurden die hohen länderspezifischen Zusatzzölle für die Schweiz reduziert. Nach dem Entscheid des US Supreme Court ersetzte Washington Ende Februar diese Zusatzzölle durch einen neuen allgemeinen Zusatzzoll auf anderer Rechtsgrundlage (Section 122). Gleichzeitig bleiben sektorale Zölle nach Section 232 relevant – etwa auf Stahl, Aluminium, Kupfer, Autos und Autoteile sowie künftig (mit Ausnahmen) auch für pharmazeutische Produkte. Die akute Belastung ist gesunken, die Rechts- und Planungssicherheit ist aber noch nicht wiederhergestellt.
USA bleiben ein wichtiger Exportmarkt
Für die Ostschweiz ist diese Entwicklung besonders relevant. Die USA gehören nach Deutschland zu den wichtigsten Einzelzielmärkten. Gleichzeitig ist der regionale US-Export stark industriegeprägt: Maschinen, Elektronik, elektrische Ausrüstungen und Metallerzeugnisse machen zusammen einen grossen Teil der Ausfuhren aus. Genau diese Warengruppen waren in den vergangenen Monaten besonders stark von Zollsprüngen betroffen.
Entlastung, aber ein schwieriges Umfeld
Die Entlastung kommt in ein schwieriges Exportumfeld. Die Ostschweizer Warenexporte gingen 2025 das dritte Jahr in Folge zurück, jene in die USA überdurchschnittlich stark. Neben den Zöllen belasten der starke Franken, schwache internationale Nachfrage und geopolitische Unsicherheit die exportorientierte Industrie. Wird ein Markt unsicherer, gewinnen Diversifikation und stabile Absatz- und Beschaffungswege an Bedeutung. Viele Unternehmen haben bereits reagiert und passen sich dem Umfeld an. Die Zölle sinken, aber Planungssicherheit und stabiler Marktzugang bleiben zentrale Herausforderungen.