Künstliche Intelligenz

KI gewinnbringend in Ostschweizer Unternehmen einbringen

Die Ostschweiz muss ihren Wettbewerbsvorsprung auch mit KI sichern.

26. September 2025, Markus Bänziger

Wie bleibt die Ostschweiz im internationalen Wettbewerb vorne – in global turbulenten Zeiten, bei knappen Fachkräften und rasanten Entwicklungen in der künstlichen Intelligenz? Nicht mit grossen Ankündigungen, sondern mit Anwendungen, welche in der Fabrik, auf der Baustelle oder im Büro Nutzen bringen. Ostschweizer Unternehmen spuren vor und zeigen: Jedes Unternehmen in der Region kann KI gewinnbringend einsetzen.

Die Entwicklung der Basistechnologie von künstlicher Intelligenz (KI) erfolgt zwar in Amerika und Asien – in der Ostschweiz steht hingegen der Nutzen von KI im Vordergrund. In Uzwil sortiert Bühler dank KI Verunreinigungen im Getreide zuverlässiger aus und verbessert so Ertrag und Qualität. In Bussnang nutzt Stadler datengestützte Diagnosedienste, um Verschleiss in Bahnanlagen früh zu erkennen und Ausfälle zu vermindern. In Heerbrugg erstellen autonome Laserscanner von Leica Geosystems millimetergenaue 3D-Modelle für Baustellen und Gelände. Und in St.Gallen automatisiert das Abacus-Spin-off DeepCloud die Belegverarbeitung – ein regional entwickeltes Produkt, das die Buchhaltung von KMU entlastet. Der Fortschritt durch diese KI-gestützte Technologie ist spürbar: an besserer Qualität, planbareren Abläufen und weniger Papierarbeit.

Künstliche Intelligenz verbessert sich exponentiell

Der Leistungssprung von KI folgt einer Kurve, die sich alle paar Monate verdoppelt. Was gestern noch menschliche Routine erforderte, lässt sich heute oft schon teilweise an sogenannte Agentensysteme delegieren – also KI-Modelle, die Aufgaben selbstständig planen und ausführen. Eine aktuelle Analyse der Forschungsgruppe METR misst dazu den sogenannten «50-%-Task-Completion Time Horizon»: Er zeigt, wie viel Zeit Fachleute für eine Aufgabe aufwenden müssen, die ein generatives KI-Modell in 50% der Fälle korrekt erledigt. Dieser Horizont hat sich in den letzten Jahren stark verschoben: 2020 schafften Modelle Tätigkeiten im Sekundenbereich – sie konnten etwa einen Satz ergänzen. Heute meistern moderne «Reasoning»-Modelle bereits Aufgaben, für die Fachleute mehr als eine Stunde brauchen – sie strukturieren etwa Protokolle oder vergleichen Baupläne und stellen Abweichungen fest. In der Folge können immer mehr Wissens-, Analyse- und Planungsteilaufgaben automatisiert werden, mit exponentiell zunehmender Komplexität.

Sichtbar sein, wo gesucht wird

Auch der Weg zum Kunden verläuft zunehmend über KI-gestützte Antworten. Googles weltweiter Marktanteil an der Suche liegt erstmals seit 2015 unter 90 Prozent; gleichzeitig verzeichnet ChatGPT Search in Europa innerhalb von sechs Monaten einen Sprung von 11 auf über 41 Millionen Nutzer. Zudem recherchieren jüngere Zielgruppen zunehmend situativ: Für einfache Informationsabfragen nutzen sie weiterhin Google, für komplexe Fragen werden KI-Chatbots genutzt, für Meinungen und Trends Social-Media-Plattformen. Zugleich steigt das Vertrauen in KI-gestützte Antworten deutlich. Für KMU bedeutet das: Sichtbarkeit entsteht nicht mehr nur via Website und klassische SEO, sondern dort, wo Kundinnen und Kunden ihre Fragen direkt formulieren. Wer sein Produkt so gestaltet, dass es von Assistenten gefunden und empfohlen werden kann, ist daher im Vorteil – zumal bereits knapp 26% der Schweizerinnen und Schweizer Chatbots im Onlineshopping verwenden.

«Wer seine Daten als Unternehmen nicht nutzbar macht, überlässt das Feld den Mitbewerbern.»

Warum KMU jetzt handeln sollten

Erstens: Der Wettbewerb zwingt zu maximaler Effizienz. Was sich automatisieren lässt – von der Erfassung standardisierter Dokumente über Qualitätsprüfungen bis hin zur Routenplanung –, wird automatisiert, sonst tut es der Mitbewerber. Zweitens: Die Demografie drückt. Die Schweiz steuert auf einen zunehmenden Mangel an Fach- und Arbeitskräften zu; KI ist kein Ersatz für Menschen, aber ein zusätzliches Tool für Teams. Drittens: Der Kundenzugang verschiebt sich. Wer seine Daten als Unternehmen nicht nutzbar macht, überlässt das Feld den Mitbewerbern. Die Ostschweiz hat hier mit einer gut vernetzten Industrielandschaft einen Trumpf: durch persönliche Verbindungen, kurze Wege zwischen Herstellern, Zulieferern, Forschern und Entwicklerinnen – und Pioniere in der Region, von denen man heute schon lernen kann.

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