Berufsbildung
Der Sound der Berufslehre
Vier Lernende im Gespräch

6. März 2026, Bruno Eisenhut
Wie erleben Lernende den Start in ihre berufliche Ausbildung? Welche Vorteile sehen sie im Vergleich zum Gymnasialweg? Und wo gibt es aus ihrer Sicht Entwicklungspotenzial in der Berufsbildung? Hierfür haben wir mit vier Lernenden aus verschiedenen Sparten gesprochen.
Die Rückblicke der Lernenden zeigen ein klares Bild: Der Einstieg in die Lehre ist intensiv und fordernd, zugleich aber sehr bereichernd. Der Wechsel vom Schul- in den Berufsalltag bringt viele neue Eindrücke und Verantwortlichkeiten mit sich. Fachliche Grundlagen müssen erarbeitet, betriebliche Abläufe verstanden und der eigene Platz im Team gefunden werden.
Ein zentraler Vorteil der Berufslehre liegt in ihrer unmittelbaren Praxisnähe. Von Beginn an sind Lernende Teil des Arbeitsalltags, übernehmen Verantwortung und entwickeln ihre Kompetenzen direkt im Betrieb weiter. Das stärkt nicht nur das Fachwissen, sondern auch wichtige Fähigkeiten wie Eigenverantwortung, Belastbarkeit und Problemlösungskompetenz. Gleichzeitig sehen die Lernenden Potenzial zur Weiterentwicklung: Eine klarere Koordination und einheitlichere Ausbildungsstandards könnten den Transfer zwischen Theorie und Praxis weiter verbessern.
Boris Dronjak, lernender Polymechaniker EFZ
Wie blicken Sie auf die Startphase der Lehre zurück?
In der ersten Woche war ich im Lehrbetrieb. In dieser Zeit wurden mir die Mitarbeiter und die Firma vorgestellt, sodass ich bereits Herzblut für dieses spannende Produkt der Gietz AG entwickeln konnte. Des Weiteren wurden mir die persönliche Schutzausrüstung, die Messutensilien und die Maschinen gezeigt und ich erhielt eine Einführung in die Arbeitssicherheit und in die Werte der Firma. Es war cool, wie ich als Lehrling empfangen wurde. In der zweiten Woche startete bereits der Basiskurs bei der Swissmechanic.

Boris Dronjak ist lernender Polymechaniker EFZ im ersten Lehrjahr bei der Gietz AG in Gossau.
Was sind aus Ihrer Sicht die Vorteile einer Berufslehre gegenüber dem Gymnasialweg?
Aus meiner Sicht hat man in einer Lehre mehr Vor- als Nachteile: Ich verdiene schon meinen eigenen Lohn und ich muss ihn mir selbst einteilen. Man kann sich eine riesige Praxiserfahrung aufbauen. Ich habe in der Praxis schon so viel Neues dazugelernt und konnte es bereits mehrmals anwenden. Ich sehe mit meiner Tätigkeit, wo und wie das Geld verdient wird. Zugleich habe ich eine grosse Verantwortung für Qualität, Termine und ich muss schauen, dass die Produktionskosten nicht zu hoch liegen. Nach einer Lehre stehen dir alle Türen offen; man kann z.B. die BMS nachholen, in eine weiterführende Schule gehen, sich im Beruf spezialisieren oder weiterbilden.
In welchem Bereich müsste sich die Berufsbildung resp. die Lehre verändern?
Unsere Gesellschaft wertet zu stark, was gearbeitet wird. Vielfach wird vergessen, dass es für ein Resultat alle Berufsgattungen braucht. Vielen ist es nicht bewusst, dass ohne Polymechaniker kein Zug, kein Auto etc. fährt, dass keine Waschmaschine und keine anderen im Alltag nützlichen Geräte funktionieren. Eine Berufslehre darf nicht minder als ein Gymnasialweg bewertet werden.
Jennifer Rust, lernende Köchin EFZ
Sie stehen in der Hälfte Ihrer Lehrzeit als Köchin. Wie blicken Sie auf die erste Hälfte zurück?
Ich bin gut in die Lehre gestartet. Da ich zuvor im elterlichen Metzgereibetrieb schon oft mitgeholfen habe, ist mir auch die körperliche Anstrengung nie schwergefallen. Die bisherige Lehrzeit hat mir meinen Eindruck bestätigt, welchen ich damals am Zukunftstag von meinem jetzigen Lehrbetrieb bekommen habe.

Jennifer Rust befindet sich im zweiten von insgesamt drei Lehrjahren als Köchin bei der Säntis-Schwebebahn AG.
Was sind aus Ihrer Sicht die Vorteile einer Berufslehre gegenüber dem Gymnasialweg?
Ich bin immer sehr gerne zur Schule gegangen. Jedoch wollte ich unbedingt ein Handwerk erlernen und nicht «nur» Schulen absolvieren. So eigne ich mir eine Fähigkeit an. Nach der Lehrzeit stehen mir alle Tore offen. Ich werde nach der Lehre sicher schulische Weiterbildungen absolvieren.
In welchem Bereich müsste sich die Berufsbildung resp. die Lehre verändern?
Ich habe keine Ansprüche, dass sich die Berufsbildung im Allgemeinen oder meine Lehre im Speziellen verändern sollte. Ich bin mit meiner Lehrzeit bis jetzt rundum zufrieden.
Liana Bärtsch, lernende Metallbaukonstrukteurin EFZ
Rückblick auf die Startphase der Lehre
Meine Startphase in der Lehre war insgesamt sehr positiv, gleichzeitig aber auch intensiv. Im ersten Lehrjahr stand das Erlernen der grundlegenden Fachkenntnisse im Vordergrund. Die Vielzahl an neuen Themen und Eindrücken war zu Beginn herausfordernd und verlangte viel Einsatz. Mit der Zeit fand ich mich jedoch immer besser zurecht, Zusammenhänge wurden klarer und die Aufgaben fielen mir zunehmend leichter. Besonders motivierend war es, zu sehen, wie ich Schritt für Schritt Fortschritte machte. Diese Entwicklung hat meine Begeisterung für den Beruf gestärkt und mir viel Motivation für die weiteren Lehrjahre gegeben.

Liana Bärtsch ist lernende Metallbaukonstrukteurin EFZ im zweiten Lehrjahr bei der Aepli Metallbau AG.
Was sind aus Ihrer Sicht die Vorteile einer Berufslehre gegenüber dem Gymnasialweg?
Eine Berufslehre bietet den grossen Vorteil, dass man von Anfang an direkt in der Praxis arbeitet. Man sammelt früh wertvolle Erfahrungen im Berufsalltag und kann sein Können Schritt für Schritt weiterentwickeln. Dabei lernt man auch, mit den typischen Herausforderungen des Arbeitslebens umzugehen, was im Gymnasialweg oft weniger intensiv der Fall ist. Zudem ist man durch die Lehre schneller im Berufsleben angekommen und übernimmt früh Verantwortung.
Wo könnte sich die Berufsbildung weiterentwickeln?
Aus meiner Sicht könnte sich die Berufsbildung vor allem in der Abstimmung zwischen Schule und Betrieb weiterentwickeln. Teilweise werden Inhalte in der Schule anders vermittelt, als sie später im Betrieb praktisch angewendet oder gefordert werden. Eine noch bessere Abstimmung zwischen schulischer Ausbildung und betrieblicher Praxis würde helfen, das Gelernte gezielter umzusetzen und den Einstieg in den Arbeitsalltag weiter zu erleichtern.
Florina Bünter, lernende Metallbaukonstrukteurin EFZ
Rückblick auf die Startphase der Lehre
Der Beginn der Lehre war eine sehr intensive Zeit mit vielen neuen Eindrücken und Veränderungen. Vor allem der Wechsel vom Schulalltag in den Berufsalltag war spürbar und oft auch anstrengend. Trotzdem blicke ich positiv auf diese Phase zurück, da sie sehr lehrreich war und mir geholfen hat, mich schnell weiterzuentwickeln und im Berufsleben anzukommen.

Florina Bünter ist lernende Metallbaukonstrukteurin EFZ im zweiten Lehrjahr bei der Aepli Metallbau AG.
Was sind aus Ihrer Sicht die Vorteile einer Berufslehre gegenüber dem Gymnasialweg?
Eine Berufslehre bietet den grossen Vorteil, dass man gezielt und praxisnah auf das spätere Arbeitsleben vorbereitet wird. Während der Gymnasialweg stärker schulisch ausgerichtet ist, lernt man in der Lehre früh, praktisch zu denken, selbstständig zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen. Das erleichtert den Einstieg ins Berufsleben deutlich.
Wo könnte sich die Berufsbildung weiterentwickeln?
Das Grundprinzip der Lehre überzeugt mich sehr, dennoch sehe ich Verbesserungspotenzial. Vor allem die Abstimmung zwischen Betrieb, Berufsschule und ÜK könnte optimiert werden, da gewisse Inhalte mehrfach behandelt werden. Zudem wäre eine einheitlichere Vermittlung der Ausbildungsinhalte durch alle Berufsbildner sinnvoll, damit die Anforderungen klar und vergleichbar sind.







