Aussenhandel
«Der Aussenhandel wird komplexer, das Bedürfnis nach Wissen wächst»
Dynamisch, komplex und zunehmend digital: Der Aussenhandel ist im Wandel.

12. Dezember 2025, Kathrin Loppacher
Remo Wild, Leiter Exportdienste und Mitglied der Geschäftsleitung der IHK St.Gallen-Appenzell, begleitet Unternehmen seit zehn Jahren in Fragen zu Zoll, Ursprungsregeln oder Freihandelsabkommen. Im Gespräch erklärt er, wie sich die Exportarbeit verändert hat, welche Themen Firmen beschäftigen und warum praxisnahe Schulungen heute wichtiger sind denn je.
Remo, wie sieht die tägliche Arbeit bei den Exportdiensten der IHK aus?
Remo Wild: Unser vierköpfiges Team stellt das Tagesgeschäft im Exportdienst sicher – von der Beglaubigung von Ursprungszeugnissen und anderen Exportdokumenten über die Herausgabe des internationalen Zollformulars Carnet ATA bis hin zur Beantwortung zahlreicher Anfragen aus der Praxis. Wir unterstützen Unternehmen mit Wissen, Kontakten und konkreten Lösungen im Aussenhandel.
Wie hat sich eure Arbeit in den letzten Jahren verändert?
Die Digitalisierung und die Modernisierung der Prozesse haben uns enorm vorangebracht. Fast alle Beglaubigungen werden heute digital ausgestellt, und auch das elektronische Carnet ATA steht kurz vor dem Durchbruch. Gleichzeitig ist der Aussenhandel komplexer geworden. Neben operativen Fragen rücken vermehrt strategische Themen in den Vordergrund – etwa der Umgang mit neuen Regulierungen wie CBAM oder EUDR aus der EU oder Fragen zum US-Zollrecht.
«Ich nehme viel Unsicherheit bezüglich der korrekten Import- und Exportabwicklung wahr. Viele Abläufe werden einfach weitergeführt, obwohl sich die Vorschriften ständig ändern.»

Welche Themen beschäftigen die Unternehmen derzeit am meisten?
Ich nehme viel Unsicherheit bezüglich der korrekten Import- und Exportabwicklung wahr. Viele Abläufe werden einfach weitergeführt, weil sie schon immer so gemacht wurden. Dabei ändern sich die Vorschriften ständig. Das Bedürfnis nach aktuellen Informationen und verständlicher Orientierung ist gross.
Welche Bedürfnisse und Fragestellungen werden sich in Zukunft häufen?
Ein Dauerbrenner bleibt das Thema Warenursprung, insbesondere durch den Ausbau der Freihandelsabkommen. Daneben gewinnen Aspekte der Nachhaltigkeit an Bedeutung: Inzwischen erlassen immer mehr Länder Vorschriften an die Verpackung in Form von Gesetzen und Verordnungen, die EU greift im Rahmen von Umwelt- und Sozialvorgaben massiv ein in bestehende Lieferketten von Unternehmen, und durch die aktuellen geopolitischen Spannungen werden auch Sanktions- und Embargobestimmungen weiter an Bedeutung gewinnen.
Wie haben sich die Exportseminare der IHK inhaltlich entwickelt?
Das Angebot ist heute breiter und gleichzeitig tiefer aufgestellt. Neben Grundlagenkursen zu Speditionsund Exportabwicklung bieten wir Seminare zu Spezialthemen wie Reparatur- und Veredelungsgeschäften. Durch unser grosses Netzwerk an Fachexperten sind wir in der Lage, kurzfristige oder zeitlich befristete Themen aufzunehmen und in Seminaren anzubieten.
«Es ist uns wichtig, eine ausgewogene Balance zwischen kompaktem Wissen und theoretischer Tiefe zu schaffen.»
Remo Wild
Leiter Exportdienste, Mitglied der Geschäftsleitung
Worauf legt ihr bei den Seminaren besonderen Wert?
Praxisnähe steht im Zentrum. Alle Dozierenden sind Fachleute mit langjähriger Erfahrung im Tagesgeschäft. Es ist uns wichtig, eine ausgewogene Balance zwischen kompaktem Wissen und theoretischer Tiefe zu schaffen. Nicht zuletzt soll der Besuch eines Seminars ein gesamthaft bereicherndes und nachhaltiges Erlebnis sein.
Wie funktioniert eine Firmenschulung konkret?
Firmenschulungen finden meist direkt im Unternehmen statt und richten sich an mehrere Mitarbeitende aus verschiedenen Abteilungen. So können wir gezielt auf spezifische Fragen eingehen und interne Schnittstellen beleuchten. Oft verstehen die Teams danach besser, warum bestimmte Informationen von anderen Abteilungen benötigt werden – das verbessert die Zusammenarbeit spürbar.
Wann lohnt sich der Besuch eines Seminars, wann eine Firmenschulung?
Das hängt vom Bedarf ab. Firmenschulungen sind ideal, wenn mehrere Personen im gleichen Unternehmen geschult werden sollen. Seminare hingegen bieten zusätzlich den Austausch mit Fachleuten aus anderen Firmen und Branchen. Das fördert neue Perspektiven und Kontakte. Die IHK ist damit nicht nur Wissensvermittlerin, sondern auch Ort der Begegnung und Inspiration.








