Abstimmungen vom 14. Juni 2026

NEIN zur Chaos-Initiative

Die Chaos-Initiative will eine starre Bevölkerungsobergrenze einführen – mit gravierenden Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft.

4. Mai 2026

Am 14. Juni stimmen wir über die Chaos-Initiative ab. Sie will die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz bis 2050 auf 10 Millionen Menschen begrenzen. Bereits ab 9,5 Millionen müssten erste Massnahmen ergriffen werden, um das Bevölkerungswachstum zu bremsen. Die Initiative löst jedoch keine Probleme – im Gegenteil: Sie verschärft bestehende Herausforderungen und gefährdet zentrale Erfolgsfaktoren der Schweiz.

Starre Bevölkerungsobergrenze schadet der Ostschweiz

Der Arbeitskräftemangel gehört bereits heute zu den grössten Herausforderungen für Unternehmen in der Ostschweiz. Aufgrund der demografischen Alterung wird sich die Lage weiter verschärfen: In den kommenden Jahren treten deutlich mehr Menschen aus dem Erwerbsleben aus, als junge Arbeitskräfte nachrücken. Bis 2035 fehlen der Ostschweiz rund 60’000 Arbeitskräfte. Eine starre Bevölkerungsobergrenze würde die Schweiz daran hindern, diese Entwicklung abzufedern. Das hätte Folgen für Unternehmen, Versorgungssicherheit und Sozialwerke. «Wer die Zuwanderung von Arbeitskräften behindert, verschärft den Fachkräftemangel und schwächt gleichzeitig die Finanzierung der AHV», sagt IHK-Direktor Markus Bänziger. «Eine alternde Gesellschaft braucht mehr Erwerbstätige, nicht weniger.»

Keine Experimente mit dem bilateralen Weg

Hinzu kommt der Angriff auf den bilateralen Weg. Die Initiative verlangt bei Überschreiten der 10-Millionen-Grenze unter bestimmten Bedingungen die Kündigung des Personenfreizügigkeitsabkommens mit der EU. Damit stünden auch die übrigen Abkommen der Bilateralen I auf dem Spiel. Für eine exportorientierte Region wie die Ostschweiz wären die Folgen erheblich: Die EU bleibt der mit Abstand wichtigste Absatz- und Beschaffungsmarkt, und stabile Beziehungen zu den europäischen Nachbarn sind gerade in geopolitisch unsicheren Zeiten zentral. «Die Chaos-Initiative ist ein Experiment mit ungewissem Ausgang – auf Kosten von Unternehmen, Arbeitsplätzen und Wohlstand», so Bänziger.

IHK macht Folgen der Initiative sichtbar

Die IHK St.Gallen-Appenzell engagiert sich deshalb mit einer Abstimmungskampagne gegen die Initiative. Sie macht sichtbar, was eine Annahme im Alltag bedeuten würde: fehlende Fachkräfte in Betrieben, Engpässe bei Dienstleistungen, zusätzliche Unsicherheit für Unternehmen und eine Schwächung des Wirtschaftsstandorts. Die Initiative löst keine der realen Herausforderungen rund um Infrastruktur oder Wohnraum. Sie schafft aber neue Probleme, indem sie eine willkürliche Obergrenze über die Bedürfnisse von Wirtschaft und Gesellschaft stellt. Die IHK sagt deshalb klar Nein zur Chaos-Initiative am 14. Juni.

Die gesamte Analyse, detaillierte Resultate unserer Mitgliederumfrage und die umfassende Position der IHK St.Gallen-Appenzell finden sie in unserer Schriftenreihe:

Die Position der IHK St.Gallen-Appenzell im Thema Arbeitsmigration

Die Personenfreizügigkeit mit der EU aufrechterhalten
Ohne ausländische Arbeitskräfte geht es nicht. Heute nicht und schon gar nicht in der Zukunft. Die Personenfreizügigkeit mit der EU stellt dabei eine unbürokratische, arbeitsmarktorientierte Zuwanderung sicher. Das ist ein entscheidender Vorteil für die Ostschweizer Wirtschaft (vgl. Grafik): Wer über die Personenfreizügigkeit in die Schweiz kommt, braucht hier eine Stelle oder ausreichend Mittel, um sich selbst zu finanzieren.

Den inländischen Arbeitsmarkt stärken
Die Schweiz ist als Arbeitsland attraktiv. Das soll auch so bleiben. Arbeitskräfte werden rar, nicht nur in der Schweiz, sondern in ganz Europa. Umso wichtiger werden eine hohe Arbeitsmarktbeteiligung und eine produktive Wirtschaft. Dafür muss sich Arbeit lohnen – hohe Pensen dürfen kein steuerlicher Nachteil sein. Flexible Arbeitsmodelle, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und eine bessere Integration von älteren Personen in den Arbeitsmarkt können diesen zusätzlich stärken.

Die gesellschaftlichen Herausforderungen angehen – rasch und gezielt
Knapper Wohnraum und überlastete Verkehrsinfrastruktur sind grosse Herausforderungen unserer Zeit. Die Zuwanderung verschärft solche Herausforderungen, sie ist aber nicht deren einziger Treiber. Deshalb kann eine Einschränkung der Zuwanderung auch nicht die einzige Lösung sein. Stattdessen braucht es eine breite Palette an Massnahmen, um Wohnraum und Mobilität fit für die Zukunft zu machen.