Digitale Verwaltung

Bauen ohne Papier. Bewilligen ohne Umwege.

Mit der Einführung der E-Baubewilligung macht der Kanton St.Gallen einen weiteren Schritt Richtung digitale Verwaltung.

12. Dezember 2025, Livio Kaiser

Baugesuche können im Kanton St.Gallen künftig online eingereicht, bearbeitet und nachverfolgt werden – effizient, transparent und rund um die Uhr. Das entlastet Gemeinden und Planende und schafft mehr Planungssicherheit für die Unternehmen.

Herr Marti, Sie leiten das Projekt E-Baubewilligung beim Kanton. Worin liegt der Unterschied zur bisherigen Papierform?

Emmanuel Marti: Der entscheidende Unterschied liegt in der durchgängigen digitalen Prozessführung. Bauherrschaft, Planer und Behörden arbeiten erstmals auf derselben Plattform und greifen auf dieselben Daten und Dokumente zu. Das bedeutet: keine Doppelspurigkeiten, keine Medienbrüche und deutlich mehr Transparenz über den gesamten Bewilligungsprozess hinweg.

Welchen konkreten Nutzen hat die E-Baubewilligung für die Betriebe?

Für die Betriebe bringt die E-Baubewilligung vor allem Zeit- und Kostenvorteile. Gesuche können rund um die Uhr eingereicht, Nachforderungen direkt online beantwortet und der Bearbeitungsstand jederzeit eingesehen werden. Das reduziert administrativen Aufwand, beschleunigt Entscheidungswege und schafft eine höhere Planungssicherheit – gerade für KMU ein wichtiger Faktor.

«Der Kanton verfolgt mit dem Projekt das Ziel, den gesamten Bewilligungsprozess effizienter, transparenter und wirtschaftsfreundlicher zu gestalten.»

Welche Ziele verfolgt der Kanton mit dem Projekt – vor allem im Hinblick auf KMU und Gewerbe?

Der Kanton verfolgt mit dem Projekt das Ziel, den gesamten Bewilligungsprozess effizienter, transparenter und wirtschaftsfreundlicher zu gestalten. Für KMU bedeutet das weniger Formalitäten, klarere Abläufe und schnellere Rückmeldungen. Zudem wollen wir mit der einheitlichen digitalen Lösung die Zusammenarbeit zwischen Bauwirtschaft, Gemeinden und Kanton deutlich vereinfachen.

Wie stellen Sie sicher, dass auch weniger digitalaffine Betriebe problemlos mitmachen können?

Baugesuche sind komplex – das wird auch in der digitalen Welt so bleiben. Die E-Baubewilligung ist keine Wunderwaffe, sondern ein Werkzeug, das die Abläufe vereinfacht und transparenter macht. Entscheidend bleibt die fachliche Begleitung von Gesuchstellerinnen und Gesuchstellern durch die Bauverwaltungen in den Gemeinden. Sie kennen die lokalen Gegebenheiten und beraten die Gesuchstellenden auch weiterhin.

Wie stellen Sie sicher, dass auch weniger digitalaffine Betriebe problemlos mitmachen können?

Baugesuche sind komplex – das wird auch in der digitalen Welt so bleiben. Die E-Baubewilligung ist keine Wunderwaffe, sondern ein Werkzeug, das die Abläufe vereinfacht und transparenter macht. Entscheidend bleibt die fachliche Begleitung von Gesuchstellerinnen und Gesuchstellern durch die Bauverwaltungen in den Gemeinden. Sie kennen die lokalen Gegebenheiten und beraten die Gesuchstellenden auch weiterhin.

Wir achten darauf, dass die digitale Lösung einfach und intuitiv bedienbar ist, mit klaren Schritt-für-Schritt-Anleitungen und Hilfefunktionen. Damit können auch weniger digitalaffine Betriebe ihre Gesuche effizient einreichen.

Unterstützt der Kanton die Unternehmen bei der Umstellung? Gibt es auch konkrete Unterstützungsangebote für das Beantragen der E-Baubewilligung?

Unsere Hauptaufgabe liegt darin, die Bauverwaltungen der Gemeinde- und Stadtverwaltungen zu schulen. Sie sind die direkten Ansprechpartner für Bauherrschaften, Planer und Gewerbe und Industrie.

Der Kanton sorgt dafür, dass die Fachmitarbeiterinnen und -mitarbeiter in den Gemeinden das notwendige Wissen und die Werkzeuge haben, um die Gesuchstellenden kompetent zu begleiten.

Kann die E-Baubewilligung auch dazu beitragen, Investitionen schneller freizugeben und Projekte früher zu starten?

Die Digitalisierung beschleunigt die Abläufe insofern, als Postwege, doppelte Erfassungen und Medienbrüche wegfallen. Gesuche und Stellungnahmen können schneller ausgetauscht und Nachforderungen unmittelbar online beantwortet werden. Gleichzeitig bleiben die fachlichen Prüfungen, die rechtlichen Auflagefristen und die inhaltliche Beurteilung eines Baugesuchs unverändert bestehen. Diese Arbeit braucht weiterhin Zeit und Sorgfalt. Die E-Baubewilligung ist also kein Allheilmittel, das die Bearbeitungsfristen drastisch reduziert – aber sie sorgt für mehr Transparenz, weniger Leerlaufzeiten und insgesamt einen effizienteren Informationsfluss.

«Wir wollen früh starten, echte Nutzung ermöglichen und auf dieser Basis effizient weiterentwickeln.»

Emmanuel Marti
Leiter Koordinationsstelle Bau, Kantons St.Gallen

Plant der Kanton noch zusätzliche Schritte, um die E-Baubewilligung weiter auszubauen?

Diese IT-Lösung ist seit einigen Jahren in mehreren anderen Kantonen wie Bern, Aargau, Graubünden und Solothurn im Einsatz. Rückmeldungen aus den Praxisanwendungen durch Gewerbe und Industrie flossen in die St.Galler E-Baubewilligung ein.

Wir starten mit einem sogenannten MVP – einer Minimalversion, die den vollständigen digitalen Prozess bereits abbildet. Unser Ansatz ist bewusst pragmatisch: Wir wollen früh starten, echte Nutzung ermöglichen und auf dieser Basis effizient weiterentwickeln.

Diese erste funktionsfähige Version ist der Startpunkt, um Praxiserfahrungen sammeln zu können und Rückmeldungen aus der Anwendung gezielt auszuwerten. Auf dieser Basis werden wir die Lösung schrittweise ausbauen, Funktionen erweitern und die Benutzerfreundlichkeit weiter verbessern.

Was ist Ihre Vision: Wie sieht der Baubewilligungsprozess in fünf bis zehn Jahren im Kanton St.Gallen aus?

Die E-Baubewilligung soll stetig effizienter und benutzerfreundlicher werden. Geplant ist, über die kommenden Jahre zusätzliche Schnittstellen zu Fachsystemen und mehr Automatisierung von Verfahrensschritten zu realisieren.

Die Weiterentwicklung erfolgt nicht isoliert, sondern in enger Zusammenarbeit mit anderen Kantonen, die auf derselben Grundlösung aufbauen. So können wir Synergien nutzen und voneinander lernen und profitieren.

Themen wie künstliche Intelligenz oder BIM-Integration, das Building Information Modeling, werden sicherlich eine Rolle spielen. In welchem Umfang und Tempo, wird sich im weiteren Entwicklungsprozess zeigen.

Artikelserie «Digitale Verwaltung»

Basierend auf einem WTT-Praxisprojekt thematisierten die IHK St.Gallen-Appenzell und die IHK Thurgau 2021 die Digitalisierung in Ostschweizer Verwaltungen. Aus Sicht der Unternehmen zeigte sich dabei teils grosser Handlungsbedarf – aber auch Unkenntnis über bestehende Dienstleistungen. Die Publikation ist abrufbar unter: www.ihk.ch/digitale-verwaltung

Die Artikelserie «Digitale Verwaltung» zeigt auf, welche Fortschritte im Kanton St.Gallen in der Zwischenzeit erzielt wurden, welche Projekte in der Pipeline stecken und wo der Handlungsbedarf bestehen bleibt.

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