Konjunkturforum von IHK und SGKB

Zukunft Ostschweiz 2013

Ostschweizer Arbeitsmarkt mit Aufholpotenzial

Die Personenfreizügigkeit ist für die Ostschweizer Wirtschaft von vitaler Bedeutung. Eine neue Studie zeigt, dass der Ostschweizer Arbeitsmarkt im Vergleich zu anderen Grossregionen weniger attraktiv ist. Am Konjunkturforum der IHK St.Gallen-Appenzell und der St.Galler Kantonalbank wurden die Studienresultate präsentiert und in Podiumsgesprächen mit Wirtschaftsvertretern, Politikern und jungen Ostschweizern vertieft. Der erste Teil der von rund 1000 Persönlichkeiten besuchten Veranstaltung wurde den sich aufhellenden Konjunkturaussichten gewidmet.

Zurückhaltende Zuversicht
War noch im vergangenen Jahr von der grossen Unsicherheit der Entwicklung im EU-Raum die Rede, hat sich die Situation mittlerweile etwas entspannt. Wie Jan-Egbert Sturm, Leiter der KOF Konjunkturstelle, am Konjunkturforum Zukunft Ostschweiz erklärte, sind die Vertrauensindikatoren für die EU in allen Branchen im Laufe des Jahres gestiegen. Nachdem Westeuropa und Nordamerika in den letzten beiden Jahren praktisch nichts zum Weltwirtschaftswachstum beitragen konnten, wird für 2014 und 2015 ein leicht anziehendes Wachstum erwartet.
Die Schweizer Wirtschaft zeigte sich zuletzt relativ stabil und die Konjunkturerwartungen steigen gesamtwirtschaftlich. In der Industrie hat sich die Lage – wenn auch auf tiefem Niveau – zuletzt aufgehellt, insbesondere die Situation der exportorientierten Unternehmen hat sich entspannt. Ein Grund dafür dürfte die leichte Abwertung des realen Aussenwertes des Schweizer Frankens sein – ein Trend, der gemäss KOF auch in der näheren Zukunft seine Fortsetzung findet.
Während die Bauwirtschaft weiter boomt, beurteilt der Detailhandel seine Geschäftslage als befriedigend obwohl die Ertragslage weiter gelitten hat. Die befragten Detailhändler erwarten eine leicht höhere Nachfrage in der nächsten Zeit.

Überdurchschnittliche Ostschweizer Exporte
Auch die Ostschweizer Wirtschaft blickt optimistischer in die Zukunft als auch schon, wie Peter Eisenhut ausführte. Dies vor allem dank des Euroraumes, der im zweiten Quartal 2013 erstmals seit eineinhalb Jahren das Bruttoinlandprodukt (BIP) leicht steigern konnte. Da unsere Wirtschaft äusserst stark auf Europa ausgerichtet ist – 61% der Ostschweizer Exporte gehen nach Westeuropa – lässt diese Entwicklung die Erwartungen steigen. In den ersten drei Quartalen legten die Ostschweizer Exporte mit 3.6% denn auch deutlich stärker zu als im Schweizerischen Durchschnitt (+0.4%). Die erfreulicheren Perspektiven täuschen jedoch nicht darüber hinweg, dass die Auslastung der Produktionskapazitäten nach wie vor unterdurchschnittlich und die Auftragsreserven knapp sind.
Langfristiger betrachtet verzeichneten die Ostschweizer Exporte aufgrund der Branchenstruktur eine unterdurchschnittliche Entwicklung: Die krisenresistenteren Pharma- und Uhrenindustrie fehlen weitgehend, während die MEM-Branchen mit rund 60% der Exporte stark vertreten sind. Für die Ostschweizer Wirtschaft wird es die Herausforderung sein, von der stärkeren Nachfrage aus den Wachstumsmärkten der Welt profitieren zu können.

Qualität der Arbeitskräfte entscheidend
Der Zuwachs des Wohlstandes pro Kopf in den letzten Jahren ist primär dem Anstieg der Produktivität zu verdanken, wie Peter Eisenhut ausführte. Auch für das künftige Wachstum werden Produktivitätssteigerungen der Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg bleiben. Dabei spielen die Qualität der Arbeitskräfte und die Innovationskraft eine entscheidende Bedeutung. Der Konjunkturforscher schätzt das reale Wachstumspotenzial pro Kopf in der Ostschweiz bis 2020 bei rund 1% ein.

Viele Ostschweizer pendeln weg
Mit der erwähnten Bedeutung gut qualifizierter Arbeitskräfte war das Thema des Abends richtig lanciert: Bei Zukunft Ostschweiz stand dieses Jahr denn auch der Ostschweizer Arbeitsmarkt im Zentrum. Grundlage bildete eine von ecopol erarbeitete Studie, welche unter anderem den Arbeitsmarkt, die Lohnstruktur und die Bedeutung der Personenfreizügigkeit für die Ostschweiz untersuchte.
Die Analyse der Wanderbewegungen von Arbeitskräften über die Grenzen der Ostschweiz hinweg geben ersten Aufschluss: Es verlassen viel mehr Menschen die Ostschweiz, um in einer anderen Region zu arbeiten, als umgekehrt. Mit einem negativen Pendlersaldo von mehr als 7% der Erwerbstätigen weist die Ostschweiz im nationalen Vergleich den schlechtesten Saldo aller Regionen aus. Dank der Personenfreizügigkeit kann dieser Abfluss an Arbeitskräften teilweise aufgefangen werden – trotz Grenznähe allerdings nur auf vergleichsweise tiefem Niveau. 

Hochschulabsolventen verlassen Ostschweiz
Angesichts der Wichtigkeit gut ausgebildeter Arbeitskräfte analysierte die Studie auch, wie viele Hochschulabsolventen der Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik fünf Jahre nach dem Abschluss noch im gleichen Kanton wohnen wie zu Studienbeginn. Während dies im Kanton Zürich für über 80% gilt, ist es im Kanton St.Gallen noch gut die Hälfte, in Appenzell Ausserrhoden sogar nur ein Viertel aller Studierenden. Eine Umfrage zu den Gründen zeigt, dass in der Ostschweiz die attraktiven Stellenangebote fehlen, multinationale Firmen vermisst und die Karrierechancen schlechter beurteilt werden. Geht es um die Vorteile der Ostschweiz werden hingegen nur selten arbeitsmarktbezogene Argumente ins Feld geführt.

Besser gebildete Zuwanderer
Unter diesen Umständen wird es für Ostschweizer Unternehmen immer schwieriger, gut qualifizierte Mitarbeitende zu finden. So erklären über 70% der Unternehmen, dass sie Probleme bei der Rekrutierung haben. Aufgrund dieses Mangels war in den vergangenen Jahren die Personenfreizügigkeit von grosser Bedeutung. Dank ihr konnten dem Ostschweizer Arbeitsmarkt jährlich etwa 2000 Fachkräfte aus dem europäischen Ausland zugeführt werden. Es zeigte sich auch, dass sich die Art der Zuwanderung verändert hat. So stammen heute drei Viertel der Zuwanderer aus dem EU/EFTA-Raum, der grösste Teil aus Deutschland. Die neuen Zuwanderer sind zudem sehr gut ausgebildet: 95% der Personen aus Nordeuropa verfügen über einen Hochschulabschluss oder eine Berufsbildung. Vor 1994 hatte noch jeder zweite Migrant keine Berufsausbildung.

Diskussionsrunden vertiefen Studienresultate
Unter der Leitung von IHK-Direktor Kurt Weigelt wurden zwei Aspekte aus der Studie in Podien vertieft. In der ersten Diskussionsrunde beurteilten junge Ostschweizerinnen und Ostschweizer die Stärken und Schwächen des Ostschweizer Arbeitsmarktes. Stephan Bischof, Michelle Inauen, Lukas Probst, Vincenz Rentsch und Nadia Wittenwiler berichteten darüber, wieso sie in der Ostschweiz geblieben sind oder wieso sie ihr den Rücken kehren.
In einer zweiten Gesprächsrunde wurden die Personenfreizügigkeit und deren Bedeutung für die Ostschweiz diskutiert. Die Sicht der Unternehmer vertraten Jürgen Dold (CEO, Leica Geosystems AG, Heerbrugg) und Urs Marquart (Geschäftsführer, Marquart Elektroplanung + Beratung AG, Buchs), jene der Politik brachten Ständerätin Karin Keller-Sutter (FDP) und Nationalrat Toni Brunner (Präsident SVP Schweiz) ein.


Downloads und Links

Medienmitteilungen
IHK: Ostschweizer Arbeitsmarkt mit Aufholpotenzial
KOF/ETH: Schweizer Unternehmen mit leichtem Rückenwind
ecopol: Ostschweizer Wirtschaft blickt optimistisch auf 2014

Präsentationen
Jan-Egbert Sturm: Konjunktur: Schweizer Wirtschaft weiterhin auf der Überholspur?
Peter Eisenhut: Die Entwicklung der Ostschweizer Wirtschaft

Unterlagen zur Studie Arbeitsmarkt
Artikel ecopol: Arbeitsmarkt Ostschweiz auf dem Prüfstand
Präsentation ecopol: Wirtschaftsstruktur und Arbeitsmarkt

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