Konjunkturforum von IHK und SGKB

Zukunft Ostschweiz 2012:
Wie meistern Ostschweizer Unternehmen wirtschaftlich turbulente Zeiten?

Rund 1000 Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik trafen sich am 19. November 2012 an „Zukunft Ostschweiz“, um sich ein Bild zum aktuellen und künftigen Zustand der Wirtschaft zu machen. Aufgrund der anhaltenden Unsicherheiten im Euroraum ist die Konjunktureinschätzung von Skepsis geprägt. Am Konjunkturforum der IHK St.Gallen-Appenzell und der St.Galler Kantonalbank wurde zudem eine umfassende Unternehmensbefragung präsentiert und in drei hochkarätig besetzten Podiumsgesprächen vertieft.

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Internationale Konjunkturflaute hinterlässt Spuren
„Zwischen Hoffen und Bangen“ – der Titel des Konjunkturteils von „Zukunft Ostschweiz“ bringt die momentane Situation gut auf den Punkt. Auf der einen Seite profitiert die Schweizer Wirtschaft von einer positiven inländischen Nachfrage dank der verbesserten Kaufkraft, auf der anderen Seite leidet sie unter den negativen Einflüssen der internationalen Entwicklung.
Die KOF-Konjunkturumfragen vom Oktober zeigen, dass sich die Erwartungen der Unternehmen im Laufe des Jahres verschlechtert haben – so sank der Geschäftslageindikator auf den niedrigsten Stand seit zweieinhalb Jahren. Die Unterschiede zwischen den Sektoren waren gemäss Jan-Egbert Sturm, Leiter der KOF Konjunkturforschungsstelle an der ETH Zürich, ausgeprägt: Während sich die im Binnenmarkt tätigen Bauwirtschaft und der Dienstleistungssektor robust entwickelten, sank die Kapazitätsauslastung bei der exportorientierten Industrie infolge der internationalen Konjunkturflaute.

Ostschweiz überdurchschnittlich betroffen
Dieses Bild zeigte sich auch in der Ostschweiz, zumal die Quote an Industrieunternehmen über dem Schweizer Durchschnitt liegt: „Die Achillesferse der Ostschweizer Wirtschaft sind die Exporte“ erklärte denn auch Peter Eisenhut, Managing Partner der ecopol ag in St.Gallen, hinsichtlich der Konjunkturaussichten in der Ostschweiz. Entsprechend unter Druck sind die Exportunternehmen – in der Ostschweiz lagen die Ausfuhren in allen drei bisherigen Quartalen unter dem Vorjahreswert. Betrachtet man hingegen die Zahlen der gesamten Schweiz, konnte wenigstens im ersten und dritten Quartal mehr exportiert werden als im Vorjahr. Gelitten hat in der Ostschweiz vor allem die Maschinenindustrie, bei der die Exporte um gut 12% bzw. 275 Mio. Franken zurückgegangen sind.

Skeptischer Ausblick
Die Industrie blickt gemäss Ostschweizer Konjunkturindex weiterhin skeptisch in die nähere Zukunft. Denn die Krise in den Euroländern ist alles andere als ausgestanden und zusätzlich schwächt sich auch das Wachstum in den asiatischen Märkten ab. Angesichts dieser Ausgangslage bangt die Ostschweizer Industrie darum, das momentane Niveau halten zu können.
Auch die Bauwirtschaft in der Ostschweiz wäre glücklich, wenn es das aktuelle Niveau halten könnte. Denn 2012 war für sie ein ausgesprochen erfolgreiches Jahr; die Bautätigkeit stieg im Jahresverlauf stetig an. In Anbetracht des rekordhohen Investitionsvolumens ist davon auszugehen, dass der Zenit erreicht ist und die Bautätigkeit wieder leicht zurückgehen wird.
Der Detailhandel in der Ostschweiz bleibt gemäss Peter Eisenhut relativ zuversichtlich. Dies obwohl sich das Konsumklima weiter eintrübt, da immer mehr Menschen mit steigenden Arbeitslosenzahlen rechnen.

Starker Franken als Herausforderung
Die Entwicklung der Ostschweizer Wirtschaft stand auch im zweiten Teil von „Zukunft Ostschweiz“ im Zentrum. Eine von der IHK und der St.Galler Kantonalbank in Auftrag gegebene und am Anlass präsentierte Unternehmensumfrage zeigte auf, welche Herausforderungen die Unternehmen beschäftigen und welche Massnahmen sie in den kommenden Jahren ergreifen werden.
Dabei zeigte sich ein ähnliches Bild, welches bereits das Experten-Duo Jan-Egbert Sturm und Peter Eisenhut zeichnete: Mit dem widrigen Umfeld, geprägt von der raschen und starken Aufwertung des Schweizer Frankens, hatte vor allem die exportorientierte Industrie zu kämpfen. So sagten 86% der Industrievertreter, dass sie in den letzten Jahren stärker gefordert waren als früher. Für 15% war oder ist die Entwicklung sogar existenzbedrohend.

Flexibilität erhöhen und neue Märkte erschliessen
Das schwierige Währungsumfeld zwang die Unternehmen dazu, die Produktivität zu erhöhen und die Kosten zu senken, um gegenüber der ausländischen Konkurrenz effizienter zu werden. Jedes fünfte Industrieunternehmen sah sich gezwungen, Teile der Produktion ins Ausland zu verlagern. Rund die Hälfte der befragten Unternehmen erhöhte den Druck auf Zulieferer oder kauft Vorleistungen heute häufiger im Ausland ein. Aufgrund der gestiegenen Unsicherheit über die weitere Entwicklung sehen es viele Industrieunternehmen als wichtig an, ihre eigene Flexibilität und Anpassungsfähigkeit zu erhöhen.
Die Industrie rechnet auch für die kommenden Jahre mit einem überbewerteten Schweizer Franken. Dadurch gewinnen längerfristige strategische Zielsetzungen wie die Erschliessung neuer Märkte und Vertriebskanäle oder die Verbesserung der Innovationskraft an Bedeutung.

Mit Qualität und Produktivität punkten
Weniger ausgeprägt fiel der Handlungsdruck im Dienstleistungssektor aus. Die Umfrage zeigte allerdings, dass die Kunden anspruchsvoller und preisbewusster geworden sind. Dem begegnen die Dienstleistungsunternehmen mit hoher Qualität und indem sie noch stärker auf die Kundenbedürfnisse eingehen. Doch dies geht wiederum auf Kosten der Rentabilität.
Die Bauwirtschaft profitiert seit mehreren Jahren von einer regelrechten Boom-Phase. Doch auch hier zeigte die Umfrage Schattenseiten auf: Der Markteintritt vieler neuer Anbieter führte zu einem verschärften Preiswettkampf. Dementsprechend sind die Erhöhung der Produktivität und der Profitabilität die vordringlichen Ziele der Bauunternehmen. Zudem war und bleibt die Rekrutierung von Fach- und Führungskräften eine Herausforderung – gerade angesichts der bisher hohen Auslastung.

Standort Ostschweiz hat Zukunft
Für die an der Umfrage teilgenommenen Unternehmen hat der Standort Ostschweiz nicht an Bedeutung verloren. Aufgrund ihrer Exportorientierung äusserten sich aber die Industrieunternehmen am kritischsten: Sie sind mehrheitlich der Meinung, dass sie am Standort Ostschweiz zunehmend Nachteile gegenüber den ausländischen Hauptkonkurrenten haben. Zwar wird die Mehrheit der Unternehmen im gleichen Umfang wie in den letzten Jahren in der Ostschweiz investieren. Grosse und exportorientierte Unternehmen werden ihre Investitionen aber zunehmend ins Ausland verlagern. Dies im Gegensatz zu den KMU, die damit für die wirtschaftliche Zukunft der Ostschweiz noch bedeutender werden.

Stimmen aus der Wirtschaft
Unter der Leitung von IHK-Direktor Kurt Weigelt wurde schliesslich in drei Podiumsgesprächen je ein interessanter Aspekt aus der Umfrage mit Unternehmensvertretern aus unterschiedlichen Branchen diskutiert. Bezüglich Verbesserung der Flexibilität brachten Roland Ledergerber (St.Galler Kantonalbank), Christof Stürm (Steinemann Technology AG) und Mario Bruderer (Fritz Bruderer AG) ihre Erfahrungen ein. Zur Erschliessung neuer Märkte diskutierten Otto Hofstetter (Otto Hofstetter AG), Thomas Meyer (Bischoff Textil AG) sowie Remo Trunz (Trunz Gruppe) und zur Zukunft des Standortes Ostschweiz brachten Heinrich Spoerry (SFS Holding AG), Christoph Tobler (Sefar Holding AG) und Regierungsrat Benedikt Würth (Volkswirtschaftsdepartement Kanton St.Gallen) ihre Meinungen ein.

 


Downloads und Links

Medienmitteilungen
KOF/ETH: Schlechtere Geschäftslage bei Schweizer Unternehmen

Präsentationen
Kurt Weigelt: Gedanken zum Sozialstaat
Jan-Egbert Sturm: Konjunktur - Zwischen Hoffen und Bangen
Peter Eisenhut: Die Entwicklung der Ostschweizer Wirtschaft
Urs Schönholzer: Ergebnisse der Unternehmensbefragung 2012

Unterlagen zur Unternehmensbefragung 2012
IHK-Standpunkt "Wie meistern Ostschweizer Unternehmen wirtschaftlich turbulente Zeiten?
Detaillierte Umfrageergebnisse und Fallstudien

Bilder
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